Mittwoch, 16. April 2025
Coffee-Date mit... KI-Experte Dominique Zeise! Wir sprechen über den sinnvollen Einsatz von KI-Tools in der Gründungsphase. Erfahre, welche Tools wirklich helfen, wo Automatisierung an Grenzen stößt und worauf du beim Einsatz von KI achten solltest.
Willkommen zu „Impact to go - Dein Coffee-Date mit…“!
Hier im Gründungszentrum Enterprise geht es mehr als nur um Ideen - es geht um echte Veränderungen. In dieser Reihe bekommst du spannende Einblicke in Gründungsstories, jede Menge Inspiration und wertvolles Wissen, dass dir bei deiner eigenen Gründung hilft. Denn nur mit Impact können wir die Welt verändern und du bist ein wichtiger Teil davon. Also schnapp deinen Kaffee, lehn dich zurück und lass dich von echten Gründe:rinnen inspirieren.
Ich heiße dich ganz herzlich willkommen zu unserem zweiten Coffee Date und heute haben wir einen ganz besonderen Gast hier, nämlich Dominique Zeise. Er ist Experte für KI, Automatisierung und digitale Prozesse. Also genau das, was viele Gründende dringend brauchen. Er gibt Workshops und hilft mit Onlinekursen Unternehmen dabei, smarte Technologien strategisch einzusetzen, ohne dass sie dabei die Persönlichkeit oder auch den Fokus verlieren. Er ist erfahrener Dozent und hat sogar einen eigenen GPT kreiert, der ganz typische Fragen zur und während der Gründung beantwortet. Aber dazu gibt's dann später noch ein bisschen mehr Infos.
Ich spreche heute mit Dominique über die Frage, welche KI-gestützten Tools in der Gründungsphase sinnvoll sind und wie sie dich dabei unterstützen können und wo vielleicht auch Grenzen der Automatisierung sind.
Hallo Dominique, magst du dich einmal ganz kurz vorstellen und vielleicht einfach mal erzählen, wer du bist, was du machst und wie es dazu kam.
Ja, hallo, ich bin Dominique Zeise. Ich bin 30 Jahre alt. Ich habe eigentlich in der Programmierung jetzt die letzten Jahre gearbeitet und bin selber Gründer auch im Bereich Digitalisierung und so weiter. Mache da halt Workshops und Onlinekurse. Und ja, das ganze Thema fasziniert mich schon seit ein paar Jahren und deswegen bin ich heute hier, um darüber zu sprechen
Ja, super. Wir freuen uns auf jeden Fall schon alle auf die Folge und KI ist ja durchaus ein ganz ganz wichtiger Aspekt momentan in der modernen Welt und natürlich kann KI auch im Gründungsprozess genutzt werden. Viele Gründer und Gründerinnen stehen natürlich auch vor der Herausforderung mit begrenzten Ressourcen – sei es Zeit oder Finanzen – arbeiten zu müssen. Da kann sicherlich KI auch helfen und eine große Rolle einnehmen. Wie kann die KI vielleicht auch als Co-Gründer funktionieren oder ja einfach den Gründungsprozess erleichtern?
Ich glaube, KI ist besonders dann nützlich, wenn es darum geht, vor allem zu Brainstormen – also nicht konkrete Handlungen zu empfehlen, sondern ja sich sozusagen abzusprechen. Also mehr oder weniger wie eine Art Sparringpartner, vor allem so in Richtung kritisches Hinterfragen. Ich könnte meine Geschäftsidee vorstellen (beispielsweise bei Tools wie Chat GPT) und denen dann mal ja meine ganze Geschäftsidee erklären und dann fragen „Erklär mir doch mal kritisch, woran es jetzt z.B. scheitern könnte.“ oder „Gibt's da vielleicht Konkurrenten auf dem Markt, die sowas ähnliches machen? Was machen die anders als ich? Wo ist da mein USP?“. Ich glaube, da kann KI besonders gut helfen.
Was ich auch immer ganz spannend finde, Reviews zusammenzufassen: Was ich ganz gerne mache, wenn ich Kritiken lese, wenn ich vielleicht irgendein Produkt entwickelt habe, dann gucke ich mir ganz gerne die negativen Kritiken an – das sind ja die Punkte, die man verbessern kann. Also, wenn ich bei der Konkurrenz gucke, was haben die für ein Produkt und was gibt's da negativen Kritiken; die einfach dann zusammenfassen lassen und mir dann Handlungsvorschläge geben lassen, wie ich mein Produkt entsprechend besser machen kann. Und ich glaube, da hat KI gerade in der Gründung am Anfang den größten Nutzen.
Also in der Produktentwicklung, überhaupt in der Ideenentwicklung, eignet sich KI wie du sagst als Sparringspartner, als kleiner Buddy nebenbei, der einen auch mal ein bisschen spicken lässt. Hast du denn bestimmte KI Tools, die du anderen Gründer und Gründerinnen oder auch Startups empfehlen würdest? Gibt es da spezielle Anwendungen, die in diesem Gründungsbereich unterstützen? Gerade in der Anfangsphase, wo man vielleicht auch diese Ideengenerierung braucht?
Ich selber bin großer Freund von Wissensmanagement. Gerade in der Gründungsphase lernt man super viel dazu, weil man sich auch so vielen verschiedenen Quellen beliest. Weil man sich gerade in der Phase besonders viel mit solchen Themen beschäftigt und ganz viel Neues lernt, ist es irgendwie wichtig, das Wissen festzuhalten. Deswegen ist, finde ich, ein vernünftiges Notizmanagement sinnvoll. Da gibt's z.B. Notion, das eine ganz gute KI hat, die mir auch Sachen zusammenfassen kann und für mich als sinnvolle Notizen aufschreiben kann.
Auch praktisch find ich z.B. solche Automatisierungstools wie Zapier, die dann für mich Werbe-Emaila schreiben können, Blogbeiträge verfassen können oder zumindest die Produkte mitentwickeln können. Und die dann automatisch einzelne Prozesse am PC z.B. automatisieren können, die ich sonst mühevoll manuell erstellen müsste. Das sind sehr nützliche Tools.
Ansonsten gibt's noch die nennen sich sogenannte RAGs, also „Retrieval-Augmented Generation“: das ist so eine Art Chat GPT, wo ich alle meine Dokumente reinpacken kann und er dann aus meinen Dokumenten lernt. Sowas lässt sich dann auch sehr schön mit dem Notizmanagement verbinden. Es gibt solche Tools kostenfrei: GPT for All ist z.B. so ein Anbieter – da kann ich mir so eine Art Chat GPT lokal auf meinem Rechner installieren, die Daten gehen auch nicht raus und ich kann sämtliche Dokumente, die ich habe, dort hineingeben und die KI antwortet dann sozusagen mit dieser Wissensbasis. Und wenn ich das mit meinen Notiztools verknüpfe, dann kann ich sehr viel Sachen, die ich gelernt habe, niederschreiben und ja anhand dieser gelernten Informationen mir tatsächlich von der KI Sachen generieren lassen.
Sehr schön. Ich selber arbeite nicht nur hier im Gründungszentrum mit den KI Tools. Ich nutze z.B. auch Asana als Projektmanagement-Tool, das hat ja auch ein eine Form von KI mit drin. Canva kann man auch als KI bezeichnen in der Bildbearbeitung oder auch einfach in der Generierung von Texten und Inhalten. Dann gibt es Ja auch Tools für Präsentationen, die einen ja mit einfachen Klicks eine Präsentation zaubern und vielleicht den Businessplan noch konkretisieren. Also ich denke, da gibt es ganz ganz viel und auch ich habe gerade noch was gelernt, was ich mir vielleicht anschaue.
Hast du denn aus deiner Arbeit konkrete Beispiele, wie die KI gerade in dem Gründungsprozess unterstützen kann? Hast du vielleicht kleine Insights, dass wir einfach mal so ein bisschen luken können, wie das andere so machen?
Ja, also wie ich das vorhin schon kurz angesprochen habe, z.B. das Reviews zusammenfassen, finde ich ganz praktisch. Gerade am Anfang, wo das Produkt frisch auf dem Markt ist, dann weiß ich noch nicht so gut, wie kommt das bei den Kunden an, wo sind die Probleme. Wenn es sich vielleicht um eine Software handelt, dann müssen Fehler gefunden werden und das nimmt sehr sehr viel Zeit ein, das alles manuell durchzulesen, zusammenzufassen – da ist z.B. fast jedes Sprachmodell eigentlich super, wo ich die ganzen Reviews zusammen reingeben kann. Er fässt die alle zusammen und gibt mir ein entsprechenden Handlungsplan.
Was auch sehr sehr cool sein kann gerade in der Gründungsphase ist, die ganze Antragsstellung für z.B. Förderungen. Da gibt's ganz strenge Richtlinien, aber mit solchen RAG- Tools, die ich eben schon angesprochen hatte, da könnte ich halt Dokumente hineingeben, die Zusammenfassung schreiben lassen, was gehört in diesen Antrag rein, was muss zu beachten sein, wie muss das Ganze formuliert sein. Dann könnte ich diesem RAG-Tools sagen, „beachte doch mal die und die Guidelines oder die Regeln, die da für gelten und dann hinterfrage meinen Antrag kritisch, den ich hier geschrieben habe und gib mir da mal Verbesserungshinweise oder sag, wie ich das entsprechend so formulieren kann, dass das diesen Anforderungen entspricht“. Und dafür finde ich das gerade in der Gründungsphase sehr sinnvoll.
Also auch beim Stichwort Businessplan. Ich denke, dabei kann das halt auch sehr sehr gut unterstützen, um halt auch vielleicht aus den Stichpunkten, die man so hat, einfach einen schönen flüssigen Text zu schreiben – ohne da viel Aufwand für zu aufzunehmen.
Das sind ja durchaus viele Tools, die man einfach mal nachschlagen kann. Ich würde die jetzt auch im Anschluss dann einmal mal verlinken.
Nun gibt es natürlich auch Grenzen und die KI ist nun nicht die „eierlegende Wollmilchsau“, wie man vielleicht immer so schön sagt. Wo macht denn Automatisierung und die die Nutzung von KI Sinn und wo nicht? Wo sind Grenzen? Vielleicht auch in Anbetracht von Zeit? Man verbringt ja dann doch sehr viel Zeit, um einen schönen Prompt zu schreiben. Wo siehst du da einfach die Grenzen?
Also, das merke ich tatsächlich auch in meiner eigenen Arbeit relativ häufig. Ich gerate dann immer auch immer so in ein Pseudo-Arbeiten. Also, wenn ich zu faul bin, eine kurze E-Mail zu schreiben, dann gebe ich das ChatGPT mit rein, stell dann fest, die ist ganz schön schlecht formuliert, formuliere den Prompt dann um für ChatGPT und erkläre dem dann in 10 Minuten, wie er die E-Mail schreiben soll, obwohl ich die wahrscheinlich in 2 Minuten selber verfasst hätte. Also ich glaube, man gerät ganz schnell ins Prokrastinieren, weil man keine Lust hat auf gewisse Arbeiten und die lagert man dann aus. Ist dann aber selber vielleicht auch zu faul, der KI das vernünftig zu erklären, und dann sind die Ergebnisse auch ziemlich schlecht. Also ich glaube, da muss man sich halt dann auch schon selber ein bisschen Grenzen setzen, welche Sachen man jetzt wirklich automatisieren sollte und welche man vielleicht einfach noch selbst machen sollte und auch wenn sie nervig sind. Gerade so Prokrastination ist sehr viel einfacher, wenn man eine KI hat, mit der man sich da entspannt nebenbei unterhalten kann, bevor man halt diese nervigen Aufgaben selber macht. Und da ist, glaube ich, ein ganz großes Limit.
Also auch Produktbeschreibungen, die macht man dann häufig mit KI. Jeder weiß eigentlich, dass die dann so minimal gut sind eigentlich, weil jeder andere Konkurrent schreibt die auch damit. Das heißt, die Texte sind wahrscheinlich ähnlich. Ich habe sehr generische Texte, die werden halt auch dann von Suchmaschinen teilweise abgestraft dafür. Da ist, glaube ich, der Schaden größer als der Nutzen an solcher Stelle, auch wenn man sich damit sehr viel Zeit spart. Aber ich glaube, wenn man Produkt hat, was einem auch so ein bisschen am Herzen liegt und wo man auch viel Arbeit reingesteckt hat, dann kann man die 10 Minuten damit auch noch verbringen, die Beschreibungen vernünftig zu machen. Und ich glaube, da ist nicht der Zeitpunkt, wo man Zeit mit der KI verbringen sollte, sondern vielleicht einfach mit seinem Produkt.
Sehr schön gesagt. Auch ich ertappe mich manchmal dabei und lass lieber die KI arbeiten und investiere dann irgendwie massig Zeit in einen genialen Prompt, den ich mir dann aber auch abspeicher für die Zukunft. Das vielleicht nochmal als kleinen Tipp vom Insider: Wenn was funktioniert, auf jeden Fall abspeichern, weil dann ist es beim nächsten Mal leichter, den Prompt zu verfassen. Aber auch ich schreib gerne meine E-Mail statt mit 2 Minuten mit 20 Minuten. Das passiert mir auch und ich muss auch zugeben, mit KI zu arbeiten macht auch einfach Spaß. Es ist halt einfach entspannt, es ist witzig, man kriegt manchmal Ideen, auf die man sonst nicht gekommen wäre. Also, es hat ja auch immer Vorteile, aber ja, der zeitliche Aspekt ist nicht unwichtig.
Und da sind wir auch schon bei einem ganz wichtigen anderen Thema. Die KI ist nun mal eine Maschine und da stecken Nullen und Einsen dahinter und irgendein Prompt und natürlich gebe ich viel Infos rein. Da kann man sich natürlich jetzt die Frage stellen, gerade im sozialen Unternehmertum geht es ja um die Menschen. Es geht ja darum, etwas Soziales oder Innovatives auf den Markt zu bringen, was für Menschen agieren soll, was das Leben von Menschen erleichtern kann und sollte. Sprich, die menschlichen Beziehungen sind einfach wichtig. Wie kann ich hier die KI wirklich gezielt einsetzen, ohne diese persönliche Verbindung zu z.B. meinen Kund:innen oder auch vielleicht Förderpartner:innen zu verlieren?
Ich glaube, an der Stelle ist es sinnvoll, die KI einfach nur die Vorarbeiten machen zu lassen und die menschliche Komponente, die am Ende stehen sollte, selber noch zu übernehmen. Also ich kann der KI sagen, die soll für mich Sachen zusammenfassen oder für mich die Handlungsempfehlung im Bezug auf Personen A, B, C zusammenschreiben; aber letztendlich ist dann wichtig, dass ich auch derjenige bin, der den letzten Schritt tut, also z.B. in den Kundenkontakt geht. Ich finde, da ist ein ganz gutes Beispiel – auch wenn es häufig nervig ist –was z.B. Telekommunikationsanbieter häufig machen: Wenn ich da erstmal anrufe, dann habe ich erstmal einen Chatbot oder eine KI, die mich dann abfragt nach meiner Kundennummer und so weiter oder die dann vorselektiert, an welche Abteilung ich weitergeleitet werde, weil ich dir dann sage, was mein Problem ist. Das ist vielleicht erstmal nervig, aber die ganz großen Rechenzentren sparen sich unendlich viel Zeit damit, weil nicht jedes Mal dieselben Fragen gestellt werden. Also bei jedem einzelnen Telefonat müsste sonst der Mitarbeiter von der Telekommunikationsfirma nachfragen, was meine Kundennummer ist. Und das ist auch sehr viel Zeit, die dafür drauf geht, und das ist aber auch die Zeit, die dann fürs eigentliche Gespräch oder für die Beratung fehlt. Deswegen ist es sinnvoll, repetitive Aufgaben, die man einfach immer abfragen muss, mit denen man vorselektieren kann, über eine KI abzufragen. Aber die eigentliche Empfehlung oder das eigentliche Gespräch mit dem Endpartner sollte man einfach persönlich führen. Ich glaube, das ist ein ganz guter Umgang.
Also tatsächlich habe ich da auch noch mal ein Beispiel aus meinem Ort. Wir haben seit Neuestem eine eigene Apotheke im Ort. Und man geht in die Apotheke, holt sich sein Medikament ab und kriegt ja eigentlich eine sehr detaillierte Beratung, wenn man möchte. Nun hat auch ein Apotheker oder eine Apothekerin nicht immer massig Zeit, wenn da die Schlange steht. Und tatsächlich haben die jetzt so Roboterarme installiert. Spricht die KI im Hintergrund wurde sozusagen animiert dazu, die ganzen Medikamente aus den Schränken zu holen, zu ordern und so weiter. Und dafür kann eben der Berater vor mir mich ganz detailliert beraten, kann sagen, was mir gut tut. Das sind ja so ganz kleine Facetten, die es dann wiederum als Vorteil ausspielen können, dass man eine KI benutzt. Und ich finde tatsächlich KI kann in der Hinsicht in der Vorarbeit super viel leisten. Aber so wie du sagst, am Ende muss dann der Mensch ran, gerade im sozialen Unternehmertum.
Ja, die Ethik spielt natürlich eine Rolle. Wir wissen alle, wenn wir ChatGPT nehmen, die sitzen nicht in der EU, spricht die Server sind außerhalb der EU. Das gibt dann häufig so ein bisschen Datenschutzproblemchen. Und nicht jeder möchte vielleicht die sensiblen Daten damit teilen. Du hattest vorhin schon mal was ganz Interessantes gesagt zu der Möglichkeit, die eigenen Dokumente auf dem eigenen Rechner zu nutzen. Das wäre natürlich eine Möglichkeit, das zu umgehen. Vielleicht kannst du das noch mal etwas detaillierter ausführen.
Genau, Datenschutz ist halt wirklich ein Riesenthema, weil in dem Moment, wo ich halt einen Prompt schicke, muss mir halt klar sein, dass meine Anfrage an dieses Unternehmen geht. Und wenn ich z.B. zu faul bin (so wie ich) persönlich meine E-Mails selber zu beantworten, ich dann einfach eine Zusammenfassung schicke des bisher schon Geschriebenen, dann würde ich im Zweifelsfall vielleicht meine E-Mail kopieren und dahingehen. Das ist aber der Moment, wo einem vielleicht auch bewusst sein sollte, dass man da vielleicht sogar gegen ein Postgeheimnis oder ein Briefgeheimnis verstößt, weil mir privat einfach eine Nachricht geschickt wurde und eigentlich ich gar nicht das Recht habe, die zu veröffentlichen. Ich weiß nicht genau, wie die Rechtslage da ist, aber zumindest nach meinem Verständnis macht man sich damit schon strafbar, wenn man gegen das Briefgeheimnis verstößt.
Aber davon abgesehen ist natürlich auch Datenschutz ein Riesenproblem. Ich kann nicht einfach meine Firmendaten an andere Firmen rausgeben oder noch schlimmer von meinen Kundinnen und Kunden vielleicht die Daten weitergeben. Deswegen sind solche lokalen Modelle eine super Alternative. Die laufen wirklich dann auf meinem Rechner. Die Daten gehen nicht raus. Das funktioniert auch, wenn ich kein Internet habe. Das heißt, die KI-Modelle sind auf Sprache vortrainiert und die werden dann auf meinem Rechner in Echtzeit das Ganze einfach generieren und dadurch gehen keine Daten raus. Auch da gibt's mittlerweile sehr viele gute kostenfreie Anwendungen, die ich auf fast jedem Rechner mittlerweile installieren kann. Ich brauche da keine große Rechenleistung. Also wie gesagt, Modelle wie von GPT for All, dasist ein Anbieter, da kann ich mir das direkt auf der Webseite runterladen. Ich brauche keine Programmierkennnisse dafür, da kann ich solche Sachen halt testen und ich habe auch nicht solche ethischen Probleme.
Also aktuell ist es geopolitisch auch sehr wichtig, die Antworten sind davon abhängig, von wo die KI kommt. Kommt sie aus der USA, aus China oder aus anderen Ländern – und je nachdem ist halt auch die Antwort eine andere und vielleicht auch wirklich brisantere Fragen, die halt schon eher rechtlich oder gesellschaftlich relevant sein könnten. Auch solche Sachen kann ich damit sehr gut umgehen.
Deswegen ist Datenschutz und Ethik natürlich da ein Riesenthema und kann dann mit so lokalen Modellen sowas ganz gut umgehen.
Tatsächlich gibt es jetzt seit Februar diesen EU-Akt, der genau die KI so ein bisschen begrenzen soll. Das finde ich auch noch mal ganz wichtig und spannend, dass da jetzt die politischen Träger auch reingehen und sagen, wir müssen hier tatsächlich das eingrenzen. Ich habe zuletzt an einem Podcast aufgeschnappt, dass tatsächlich Google wohl daran arbeitet, dass man z.B. Blogartikel, die man per KI generiert hat, dann mit einem Wasserzeichen wohl irgendwie markieren soll, damit eben auch das transparenter wird. Wir müssen ja mittlerweile bei Bildern hinschreiben, ob sie wirklich KI generiert sind oder nicht, was ja auch nicht unwichtig ist. Magst du vielleicht dazu noch mal was erzählen, wie Google das macht oder was das auch vielleicht für ein Wettbewerbsvorteil sein kann für Gründende?
Also, da ist die Lage aktuell technisch mehr oder weniger schwierig. Also ich weiß, Open AI hatte das, nachdem ChatGPT rausgekommen ist, schon direkt angekündigt, dass die solche Sachen markieren wollen. Wie genau das aussieht, ist auch noch unklar, weil theoretisch kann ich ja einfach die Antworten, die mir das KI-Modell gegeben hat, einfach eins zu eins mit der Tastatur selber abtippen, dann ist da kein Wasserzeichen drauf. Es ist auch nicht klar, wie es da ein Kopierschutz vernünftig geben kann. Also man kann mit unsichtbaren Zeichen innerhalb des Textes (beispielsweise Schriftgröße 0) oder eine ganz kleine Schriftart, die ich zwischendurch vielleicht gar nicht sehe, einzelne kleinen Zeichen einbinden. Da gibt's natürlich noch ganz viele technisch sinnvollere Möglichkeiten. Sowas kann ich natürlich auch jederzeit mit dem anderen Programm dann wieder auslesen und dann auch wieder entfernen lassen. Ich glaube, da haben wir genauso einen Wettkampf aktuell mit den Werbeblockern und den Werbeanzeigen. Ich glaube, das ist immer so ein gegenseitiges Aufschaukeln; ob es dann eine vernünftige Lösung geben wird, wage ich jetzt erstmal aktuell zu bezweifeln.
Ich glaube tatsächlich auch eher, dass so große Unternehmen wie Google sowas einführen wollen, damit ihre eigene KI nicht aus KI-generierten Antworten lernen. Also aktuell habe ich halt das Problem, wie vorhin schon angesprochen, dass ich vielleicht Produktbeschreibungen mit KI schreiben lasse und auf meiner Webseite landen dann nur noch KI-generierte Texte. Und die ganzen KI-Modelle wie beispielsweise Gemini von Google oder ChatGPT von Open AI scrappen ja einfach nur das Internet ab und lernen aus diesen Daten dazu und damit lernen sie ja dann wieder aus ihren eigenen geschriebenen Texten und bestätigen sich selber. Dadurch geht man davon aus, dass die KI aktuell sogar immer dümmer wird, wenn man das so nennen kann, weil sie halt aus ihren eigenen schlecht generierten Texten wieder dazu lernt. Um sowas zu umgehen, wird sowas vor allem gerade eingearbeitet. Wie das sonst im Alltag Anwendung findet, weiß ich nicht, ist aktuell schwierig zu beurteilen.
Ja, tatsächlich gibt es ja auch diese Programmierweisheit, dass wenn man – sagen wir so auf gut Deutsch – „Mist“ reingibt, gibt's dann auch am Ende „Mist“ raus. Die KI kann halt in der Hinsicht auch nicht unendlich dazu lernen und das ist ja quasi basierend auf einem gewissen Kenntnisstand. Wenn man immer wieder denselben Mist reingibt, dann ist klar, dass man den Mist nur nachplappert.
Wir könnten doch mal den positiven Blick in die Zukunft wagen. Wo siehst du die Entwicklung in den nächsten Jahren? Wird die KI noch stärker gerade in der Gründungsphase und in den Gründungsprozessen eingebunden oder gibt's da eine Grenze, die nicht überschritten werden sollte?
Also, ich glaube, gerade in der Gründungsphase kann KI da sehr viel helfen, weil ich in der Gründungsphase meistens in einem sehr kleinen Team bin. Das heißt, ich habe gar nicht so die Ressourcen und die Möglichkeiten so viel outzusourcen, also weder finanziell noch personell. Deswegen glaube ich, gerade im Abbau z.B. von Bürokratie kann KI zukünftig sehr viel helfen. Ich kann Musterverträge einfach für mich vorschreiben, weil ich ja dazu lernen kann. Die sehen ja eh immer gleich aus – aber bevor ich dann ewig rum recherchiere, mir die Texte kopiere, in das nächste Worddokument oder sonstiges reinkopiere, da kann mir die KI mittlerweile wahrscheinlich selber so vernünftige Musterverträge erstmal generieren, die ich dann vielleicht noch mal mit dem Notar abquatschen muss oder noch mal verändern muss. Aber ich glaube, die ganz grundlegenden Sachen kann ich damit schon sehr gut und einfach erstellen. Auch gerade Angebotsschreiben oder solche Sachen, auch einfach Zusammenfassungen: An welche Ämter muss ich mich wenden? Was ist eigentlich noch so wichtig? Welche Fördermöglichkeiten gibt es für mein Unternehmen? Also, auch einfache Steuerfragen; die werden vielleicht auf mittlere Sicht keinen Steuerberater ersetzen, aber so einfache Sachen wie „in welches Formularfeld muss ich das und das eintragen“ oder „als was kann man das und das absetzen“, die kann ich damit sicherlich zukünftig auch noch besser beantworten. Da gibt's auch schon ganz gute Ansätze.
Und einen davon hast du ja sogar kreiert!
Genau, der „Startup Navigator“. Er beruht auf ChatGPT, also von Open AI. Da gibt's ja diese „Custom GPTs“ im GPT Store. Beim Startup Navigator habe ich halt von sämtlichen deutschen Behörden sämtliche Vorschläge und sämtliche Musterverträge runtergeladen, Anweisungen an welche Ämter ich mich wenden soll, wo es in welchem Bundesland welche Beratungsmöglichkeiten gibt, für welche Rechtsformen welche Gesetze gelten, was ich wo ich mich hier anmelden muss und so weiter. Und all die Dokumente habe ich da hineingegeben. Das ist ja fast wie ein RAG-System. Also aus diesen Dokumenten wird dann gelernt und dann kann jeder diesen Startup Navigator kostenlos benutzen und Fragen stellen. Das Wissen, was da drin ist, beruht auf den deutschen Ämtern, was die jetzt immer für Empfehlungen rausgeschrieben haben.
Eine megamäßig tolle Idee und wie ich finde ein Goldnugget für jeden angehenden Gründer oder angehende Gründerin da draußen! Wie komme ich denn zu diesem Navigator? Wie ist der Weg? Wie kann ich mir den denn irgendwie so reinladen? Wo finde ich den?
Wer Chat GPT hat oder die kostenlose Version benutzt, kann es über einen Direktlink machen. Ansonsten gibt's den im GPT-Store: je nachdem wie das Menü gerade aussieht – wahrscheinlich irgendwo links an der Seite – gibt's „GPTs erkunden“ und dann kann ich nach gewissen GPTs suchen. Wenn man dann nach „Startup Navigator“ sucht (ist ein violettes Bild mit dem weißen Kompass drauf), dann findet man das ganz gut. Da kann ihn jeder kostenfrei darüber.
Hier geht’s direkt zu Dominiques GPT „Startup Navigator“.
Das würde ich mir tatsächlich aus voller Überzeugung selber runterladen, wenn ich jetzt im Gründungsprozess bin! Hast du einen Tipp für unsere Gründer und Gründerinnen da draußen, die gerade überlegen, die KI vielleicht für ihr Startup, für ihre Gründungsidee zu nutzen? Welchen Tipp würdest du da geben?
Ich glaube, vorab sollte immer die Entscheidung getroffen werden: „Ist es denn überhaupt notwendig?“ Also zumindest, wenn ich ein technisches Produkt habe, sollte ich mich jetzt nicht unbedingt rein auf KI verlassen sollen. Wenn es nicht notwendig ist, warum mache ich es dann? Es sollte nie ein Werbeargument sein und es sollte auch nie ein Selbstzweck sein, einfach nur um KI zu haben, das unbedingt integrieren zu wollen. Gerade wenn es dann Fehler gibt, ist es halt ein riesengroßer technischer Aufwand und das unterschätzt man meistens. Man begibt sich auch in Abhängigkeiten von den Unternehmen, die mir diese KI zur Verfügung stellen. Wenn ich also selber vielleicht nicht unbedingt programmieren kann oder mit diesen Tools nicht vernünftig umgehen kann, kann es sein, dass ich das fest in mein Unternehmen integriere und dann irgendwann funktioniert es nicht, der Anbieter geht vom Markt oder wird verkauft oder sonstiges. Dann habe ich ein Problem mit meinem Produkt und vielleicht sogar mit meiner gesamten Firma. Deswegen ist es wichtig, KI immer nur Einzelbereichen anzuwenden. Wenn ich zumindest technisch jetzt nicht so erfahren bin, das nicht direkt ins Produkt mit einzubinden. Viele Leute benutzen mittlerweile ChatGPT auf ihrer Webseite, binden es in ihre Produkte ein und haben dann darüber irgendein Chatbot; aber in dem Moment, wo jetzt z.B. Open AI ihre Infrastruktur ändert, vielleicht die API-Struktur ändert, worüber ich keine Anfrage mir schicken kann, dann kann ich nicht viel an meinem Produkt ändern, wenn ich dann technisch nicht so viel Ahnung davon habe. Deswegen sollte die erste Überlegung immer sein: ist es jetzt kritisch wichtig, dass das funktioniert oder nicht und ist das Unternehmen, von dem ich das abhängig mache, stabil oder nicht? Wie gesagt, die KI-Startups, die sprießen gerade wie Pilze aus dem Boden und das ist auch cool und es gibt auf dem Markt auch super viele neue Produkte und Vielfalt. Aber ich sollte mich davon nicht abhängig machen, weil Startups in der Regel ja ihre eigene Struktur nicht so lange halten, weil sie dann vielleicht sogar aufgekauft werden oder selber den Exit machen wollen. Dann verschmelzen sie mit anderen Firmen und dann hat die Technik vielleicht eine andere Struktur.
Ansonsten sollte man vielleicht gar nicht so viele Abwägungen treffen, welches KI-Modell man jetzt unbedingt verwendet. Das wünsche ich mir auch selber: es gibt jetzt so viele neue KI-Modelle, die will ich jetzt alle vergleichen und ich will das Beste für mein Produkt oder für mein Anwendungsfall gerade haben. Eigentlich ist das Quatsch, weil ich dann mehrere Tage damit verbringe, die unterschiedlichen Modelle zu testen, und dann ist es in der Woche vielleicht schon obsolet, weil wieder das nächste KI-Modell rauskommt. Also gerade ist auf dem Markt so viel Wandel, da würde ich mich da gar nicht so sehr festlegen, sondern das erstmal austesten, ob das überhaupt gut funktioniert, bevor ich dann zu sehr mich ins Detail verliere.
Das stimmt wohl, zuletzt haben wir im Team darüber diskutiert, ob man Deepseek nutzen soll oder Le Chat (wir wussten nicht, wie man es ausspricht). Also da ist ja ganz viel im Wandel und man kommt gefühlt ja schon gar nicht mehr hinterher, was jeden Tag aus dem Boden sprießt. Also von daher ein ganz klares Go für: Nutz die KI, aber überlegt und vielleicht prozessorientiert. Eben nicht nur als Hauptargument des Verkaufs z.B. Es kann ja durchaus auch ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn man KI gar nicht nutzt. Es kommt halt immer aufs Businesskonzept und auf die Idee an und eben auch auf die Gründerpersönlichkeiten, ob sie das nutzen wollen oder nicht.
Ich würde jetzt so langsam zum Abschluss kommen. Wir haben ganz viel von dir und über KI gehört, jetzt steht natürlich noch im Raum: Wo findet man dich, wenn man jetzt wirklich noch mal ein bisschen tiefer einsteigen möchte in die Thematik, wenn man mehr über KI und über Tools im Business-Alltag erfahren möchte?
Einerseits findet man mich natürlich auf meiner Webseite (www.dzeise.de). Ansonsten bin ich natürlich auch auf LinkedIn erreichbar, einfach unter meinem Namen Dominique Zeise. Auf der Plattform udemy findet man nämlich auch: Wenn man da in die Suche meinen Namen eingibt, dann findet man da auch meine Kurse, die ich da unterrichtet habe. Ja, das sind die einfachsten und schnellsten Möglichkeiten, mich zu kontaktieren.
Sehr schön. Und jetzt bleibt mir nichts anderes mehr als zu sagen „die letzte Frage kommt zum Schluss“. Nenne mir doch mal eine Zeit zwischen 1 bis 6.
Vier.
Welche Superkraft würdest du gerne als Experte in KI haben wollen?
Ich würde gerne wissen, wie der Markt in 30 Jahren aussieht und ob die Sachen, die ich jetzt gerade mache, dann noch relevant sind mit KI.
Also, eine Zeitreise möchtest du gerne kreieren können – dann schreibt doch einen Chatbot dazu oder einen GPT.
Sehr schön, ich möchte mich ganz herzlich bei dir bedanken für diese ganz tiefen Einblicke in den Gründungsprozess, in die KI und in diese ganz moderne Welt, die so ganz digital daherkommt. Vielen Dank, dass ich dich hier haben durfte.
Vielen Dank, Dominique!
Dankeschön.
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