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Teaserbild für Blogartikel 'Impact to Go' mit Johanne Kläger, Potentialentfaltung für junge Frauen, auf grünem Hintergrund mit Kaffeeflecken und Audio-Wellenform

Den eigenen Weg gehen: Wie junge Frauen* ihre Stärken finden und entfalten

Donnerstag, 22. Mai 2025

Coffee-Date mit... Gründerin Johanne Kläger! Wir sprechen über die limitierende Glaubenssätze, gegenseitiges Empowern und über 1 Jahr Gründung.

Willkommen zu „Impact to go - Dein Coffee-Date mit…“!
Hier im Gründungszentrum Enterprise geht es mehr als nur um Ideen - es geht um echte Veränderungen. In dieser Reihe bekommst du spannende Einblicke in Gründungsstories, jede Menge Inspiration und wertvolles Wissen, dass dir bei deiner eigenen Gründung hilft. Denn nur mit Impact können wir die Welt verändern und du bist ein wichtiger Teil davon. Also schnapp deinen Kaffee, lehn dich zurück und lass dich von echten Gründe:rinnen inspirieren.

Ich begrüße dich zu der nächsten Folge unserer Interviewreihe vom Gründungszentrum Enterprise. Ich habe die liebe Johanne Kläger hier zu Gast. Sie hat im April 2024 gegründet – es ist also fast ein Jahr her. Johanne begleitet junge Frauen dabei, ihre Potenziale zu entfalten und selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen. Durch Workshops und Coachings schafft sie Räume für Austausch, Selbstreflektion und Klarheit über persönliche sowie berufliche Ziele. Ihre eigene Erfahrung nach der Schulzeit motiviert sie heute, anderen jungen Frauen dabei zu helfen, ihre Potenziale zu entfalten und mit Selbstvertrauen ihren Lebensweg zu gestalten. Doch wie hat Johanne ihre eigene Stärke gefunden und wie unterstützt sie nun genau andere junge Frauen dabei, ihren eigenen Weg zu gehen?

Johanne, lieben Dank, dass du da bist. Erklär doch mal in 1-2 Sätzen, wer du bist, was du machst, woher du so kommst.
Vielen Dank. für die zauberhafte Ankündigung. Ich komme aus dem sozialen Bereich und aus dem Eventmanagement-Bereich. Das heißt, ich bringe schon eine Menge Erfahrung im Bereich Supervision, Coaching, Projektmanagement mit. Und was ich konkret mache, hast du eigentlich schon gesagt – mein Kernstück ist im Prinzip die Begleitung in diesem Übergang von Schule ins eigene Leben oder ins eigene Berufsleben. Da weiß ich es nicht besser, sondern da ist einfach jeglicher Weg voll okay. Weil ich auf dem Markt noch nicht so gefunden habe, ist das Besondere, dass ich das explizit für junge Frauen anbiete, weil ich einfach glaube, dass es noch mal ein Empowerment und eine Stärkung für die Frauen sind. Und das zweite Besondere ist – das habe ich in dieser Form auch noch nicht gefunden –, dass ich Workshops mache. Das heißt, die Frauen entdecken quasi sich selber, sie gestalten selber und finden auch selber durch Feedback von ihrem Gegenüber ihre Stärken und ihren Weg heraus.

Sehr schöne Arbeit und auch ganz ganz wichtig. Das klingt jetzt bei dir total selbstbewusst und total klar, was du da machst und für wen du das anbietest. Aber das war sicherlich nicht immer so, auch in deinem eigenen Leben. Gab es Momente, wo du selber an deine Grenzen gestoßen bist, wo du vielleicht nicht wusstest, wie es lang geht und wohin es lang geht?
Tatsächlich genau an derselben Stelle, wo die jungen Frauen jetzt stehen: an diesem Übergang, als ich von der Schule gehen sollte, hatte ich keine Ahnung, was ich machen sollte. Und dann bin ich aus lauter Verzweiflung einfach aufs Gymnasium gegangen, damit ich noch ein bisschen Luft hatte. Ich wollte aber dann abgehen und war einfach zu schlecht in der Schule, als dass ich den kaufmännlichen Beruf, den ich machen wollte, verfolgen konnte. Ich bin dann in Mathe auf fünf gerutscht und dann habe ich irgendwie aus lauter Not einfach Erzieherin gelernt.
Und wenn ich so zurückblicke, bin ich immer wieder irgendwann in meinem Leben an einem Punkt gekommen, wo es mir entweder langweilig war oder wo ich den nächsten Schritt gehen wollte. Oder wo ich mich selber herausfordern wollte. Und dann habe ich geguckt, was so auf dem Weg liegt. Also ich bin nicht die Gradlinige und von daher bestes Beispiel.

Gradlinig wäre ja auch langweilig, weil dann wüsste man ja, wo es am Ende lang läuft und wo man ankommt. Gerade in der jetzigen Zeit weiß man ja zum Teil auch gar nicht, wie es weitergeht. Wirtschaftlich und politisch ist ja sehr viel im Wandel und das stiftet wahrscheinlich auch ganz viele Zweifel – auch bei jungen Frauen. Welche Herausforderungen hattest du denn in deiner beruflichen Laufbahn erlebt? Gerade als junge Frau?
Du hattest jetzt erzählt, du hattest selber in der Schule nicht unbedingt die besten Noten – was durchaus sein darf (und ich denke auch bei jedem etwas Normales). Auch ich war in Mathe nicht die Beste und bin auch fast deswegen durchs Abi gerasselt. Aber in solchen Momenten hilft es natürlich auch, Vorbilder zu haben oder Mentor:innen: sei es die eigenen Eltern, die beste Freundin, die Tante, die Nachbarin oder vielleicht auch einfach ein Lehrer. Hattest du genau solche Vorbilder?

Also, wenn ich jetzt so nachdenke, hatte ich sie in dem Sinne so wie du es meinst, nicht. Also, ich hatte weder Lehrer, die ich gut fand, noch haben sich meine Eltern um meine berufliche Laufbahn gekümmert, was sich heute keiner mehr vorstellen kann. Aber meine Eltern hatten einfach ein Geschäft und haben sich darauf konzentriert. Ich glaube am ehesten noch meine nächst ältere Schwester, sie war Erzieherin und ich habe dann nachher auch Erzieherin gemacht. Sie war mir aber in dem Sinne kein Vorbild, sondern sie hat mir eine Orientierung gegeben, was man machen konnte.

Und genau um die Orientierung geht's ja bei dir. Gib mal doch eine ganz kurze Einschätzung, warum es jungen Frauen so schwer fällt, ihr eigenes Potenzial zu erkennen und dann auch davon den eigenen Weg abzuleiten. Woran liegt das?
Aus meiner Sicht gibt es da zwei wesentliche Faktoren. Das eine ist tatsächlich leider unser Bildungssystem. Es ist einfach so, dass gerade in der Oberstufe die Frauen einfach tatsächlich unwahrscheinlich viel vom Kopf her wissen, in sich reinschaufeln müssen und wenig „dem Menschen gemäß“ lernen. Also „dem Menschen gemäß“ wäre mit allen Sinnen, wäre körperlich und wäre nicht nur kognitiv. Und dadurch fällt so ein bisschen weg dieses Entdecken, wer bin ich denn und diese Selbsterfahrung. Ich finde tatsächlich, dass es ein Schulfach sein sollte, also wie Selbsterfahrung, Selbstentdeckung etc. Dass es nicht nur um Wissen geht.
Und der zweite große Faktor ist, der dem leider ein bisschen entgegenspielt, ist die unfassbar komplexe Welt – und vor allen Dingen die unfassbar komplexe digitale Welt. Es ist heute fast alles im Internet anzuschauen, anzulesen, per Klick Potenzialentfaltung zu machen, aber damit hat man vielleicht ein großes Wissen darüber, aber hat es noch nicht selber erlebt und erfahren. Und dadurch, dass die Mädels oder auch die ganzen jungen Menschen sich viel online treffen und weniger Erfahrungen machen, gibt es weniger „Ah, das bin ich. Wenn ich das und das mache, dann passiert das und das und die und die Stärken habe ich.“

Letztendlich ist das ja insgesamt ein gesellschaftliches Problem, würde ich behaupten. Denn die Gesellschaft macht auch von Außen sehr, sehr viel Druck. Wir hatten im Vorgespräch zu diesem schönen Interview hier darüber gesprochen, dass auch Eltern unter Druck stehen. Egal wer da an dieser ich nenn es mal Wachstumskette, beteiligt ist, bringt halt immer eine eigene Meinung mit rein. Wie erlebst du denn die Zusammenarbeit mit den jungen Frauen und eben auch mit den Eltern, die da so mit dranhängen? Die ja auch ihre Bedürfnisse und Wünsche haben?
So pauschal kann ich das natürlich nicht sagen, aber ich wollte noch eins sagen, angedockt an eben, was jetzt auch zu den Eltern passt: was ich auch deutlich mehr erlebe als im Laufe der Zeit ist, dass Eltern viel vorsichtiger geworden sind. Es gibt ja dieses Wort „Helikopter-Eltern“, dass sie vielleicht auch aufgrund der Komplexität versuchen, viel den Probleme von ihren Kindern fernzuhalten. Das ist aber nicht unbedingt förderlich, weil Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen, auch Heranwachsende müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Das können Eltern ihnen nicht abnehmen. Und es gibt wenige Jugendliche, die erzählen, dass es mit ihren Eltern gut läuft.
Ich habe letztens einen Elternabend gemacht und erlebe häufig bei Eltern, dass die, wenn ihre Kinder nicht so „aus dem Quark kommen“, wenn sie nicht genau wissen, was sie in ihrem in ihrer Zukunft machen wollen, fangen die Eltern stattdessen an, sich Gedanken zu machen. Die überlegen dann ganz viel und rödeln ganz viel. Und was tatsächlich, glaube ich, nicht gut ist – da tun sich weder Eltern noch Kinder jeweils gut – wenn sie in diesem Komplex bleiben. Da ist einfach richtig gut, jemand Außenstehenden zu haben, wo die sich auch mit unterhalten können und wo es auch Entlastung gibt.
Ich will nur auch noch eins sagen: wir werden heute alle älter. Die Generation, die jetzt ins Arbeitleben kommt, wird nicht mit 67 aufhören zu arbeiten, da bin ich mir ziemlich sicher. Das heißt, die Eltern können sich einfach, finde ich, deutlich mehr entspannen, auch diesen eigenen Ausprobierweg ihrer Kinder zuzulassen, zu vertrauen und so ein Stück in den Hintergrund zu gehen. Umso entspannter ist vermutlich das Verhältnis.

Auch mein Arbeitsleben oder mein Berufsweg, mein Karriereweg war auch sehr, sagen wir so, nicht sehr gradlinig. Ich habe schon gefühlt alles gemacht, die „Quereinstiegs-Queen“ sitzt hier auf jeden Fall gerade. Ich kenne das dabei von mir, dass ich dann gewisse Muster oder auch Denkweisen hatte oder wie man es auch so schön sagt, Glaubenssätze. Was sind so typische Glaubenssätze oder Muster, die du gerade bei jungen Frauen in der heutigen Zeit beobachten kannst in deiner Arbeit?
Also erstmal sind diese Glaubenssätze im ersten Schritt tatsächlich sind gar nicht so deutlich wie bei uns, sondern das äußert sich eher in Lustlosigkeit, tendenziell Depression oder sich nicht entscheiden können oder alles doof finden. Und wenn man ein bisschen tiefer mit den jungen Frauen ins Gespräch kommt, dann ist einfach häufig, was sowieso viele Frauen haben inklusive mir, dieses Gefühl, nicht richtig zu sein oder „ich bin falsch“ oder „ich kann nichts“. Was wirklich häufig auch bei jungen Frauen ist, dass das Leben sie so überwältigt, dass so ein Glaubenssatz ist, „ich schaffe dieses Leben nicht“ oder „es ist irgendwie so viel, dass ich da überhaupt gar nicht dem entgegentreten kann“. Das auch nur ein sehr kleiner Ausschnitt davon.

Und da sind wir jetzt mitten in deiner Arbeit. Was machst du dann? Wie sieht das aus? Wie kannst du solche Denkweisen, solche Charakterzüge, diese Momente der jungen Frau auflösen in Zusammenarbeit mit dir?
Der wesentlichste Bestandteil meiner Arbeit ist einerseits im allerersten Schritt, Kontakt zu sich selber zu bekommen und zum Körper. Und auch zu den eigenen Gedanken und Gefühlen, es ist tatsächlich häufig wie abgeschnitten. Das ist schon der erste Schritt, wo junge Frauen so denken, ah krass, so bin ich und so denke ich und da habe ich ja doch Freude dran. Also das ist manchmal wie so „zugeschüttet“.
Und der zweite große Schritt ist, sich selber zu ermächtigen und selber ein eigenes Vertrauen hinzubekommen und sich selber zu erlauben, Sachen einfach auszuprobieren. Auch wenn z.B. – das ist auch ein Wink an die Eltern –, eine potentielle schöne Ausbildung da steht und man aber Sorge hat, ist es denn jetzt das Richtige? Das wird man nicht vorher wissen, sondern der Weg entsteht im Gehen.

Und was ich in diesen Workshops mache, ist im Prinzip o eine Methodenvielfalt: erstmal ist ganz viel Entspannung, also einfache Meditation, Fantasiereisen und so ein Ermöglichen von Raum. Dann auch die Zukunftreise, die muss überhaupt gar nicht realistisch sein. Es geht auch um dieses Spielerische, Kreativität, sich damit auseinanderzusetzen – auch untereinander. Es gibt so unterschiedliche Formen von Diaden, Triaden und Plenum, dass sie sich gegenseitig Sachen fragen, dass sie Feedback bekommen. Ich zeige auf, dass es Journaling gibt. Ich stelle Fragen wie z.B. „Was machst du gerne?“ oder „Was ist dein schönstes Bild von dir in 3 Jahren?“ und sie schreiben dazu. Wir machen Vision Boards.
Also das heißt sich trauen, wegkommen vom Kopf, sondern in den Ausdruck gehen – und das kann in sehr unterschiedlicher Form sein. Und es gibt eine totale Entlastung, weil die denken ja alle, nur ihnen alleine passiert es so. Es ist eine totale Entlastung, voneinander zu erfahren, dass die Mädels ähnliche Themen haben. Ich will nur sagen, auch erwachsene Frauen, wenn wir uns unterhalten, stellen sie fest, „ah, krass, du hast auch das Thema und ich bin ja gar nicht allein“. Und das allein gibt schon eine riesige Entlastung und auch den Mut, nächste Schritte zu gehen. Auch durch diese Unterschiedlichkeit von jungen Frauen und z.B. Frauen, die schon Studentinnen sind, zu erfahren, man kann studieren und man kann dann das und das machen.

Also geht's bei dir erstmal darum, einen Entfaltungsraum zu eröffnen, Mut zuzusprechen, zu empowern und das auf ganz viele unterschiedliche Varianten: sei es kreativ, sei es durch den Kontakt mit anderen. Das ist tatsächlich ja eigentlich ein sehr natürlicher Prozess, wie ich finde, denn auch wir hier im Gründungszentrum arbeiten ja genauso. Wir haben ja natürlich unsere einzelnen „Fälle“, unsere einzelnen gründenden Personen, die hier ankommen, die eine Idee vortragen, die mit total viel Stolz auch erzählen. Aber vielleicht schwingen da auch manchmal Zweifel mit. Die Erfahrung, die ich hier mache und auch meine Kolleg:innen, ist, dass dieses gegenseitige Empowern auch ganz viel bewirken kann.
Du hattest ja mit uns auch erfolgreich gegründet vor ca. einem Jahr. Gab es für dich einen Schlüsselmoment, wo du für dich entschieden hast, jetzt muss ich gründen, jetzt habe ich irgendwie die Idee? Wie kam es dazu?

Da antworte ich später drauf. Ich muss noch eins ergänzend dazu sagen, weil du das nämlich auch gerade gesagt hast. Was ich wichtig finde, dass es bei den Workshops, nicht nur bei den Workshops bleibt, sondern dass die jungen Frauen zum Schluss meistens mit wirklich konkreten Schritten in die Realität rausgehen und sie probieren sich da aus, weil sonst bleibt's in der Workshopblase und dann geht nichts weiter.

Und der konkrete Schritt hinaus, den habe ich auch getan. Ich war in der Festanstellung, es gab schon lange in mir den Wunsch, irgendwie nochmal tiefer zu gehen. Es kam aber nicht vorbei, also ich hatte irgendwie keine Idee. Und dann habe ich etwas gemacht, wo wahrscheinlich viele die Hände über den Kopf zusammenschlagen: ich habe einfach meinen angestellten Job gekündigt und habe gesagt, „na, es wird sich schon was finden“. Ich bin danach erstmal in Urlaub gefahren. Der Schlüsselmoment für diese Idee und für das, was ich jetzt mache, war tatsächlich während des morgendlichen Frühstücks. Da saß eine junge Frau vor mir, die ich schon mehrfach gesehen habe. Wir kamen ins Gespräch und sie nahm an einem Yoga-Retreat teil und ich fragte sie: "Ah, wenn du wieder nach Hause kommst, wirst du dann Yogalehrerin?" Da sagte sie, nein, sie hätte letztes Jahr Abitur gemacht und sie wüsste überhaupt gar nicht, wer sie wäre, und sie würde noch weiterreisen. Und das hat mich so sehr berührt und so sehr getroffen, weil in dem Moment ich in einer ähnlichen Situation war. Ich habe mir die Frage gestellt, wer bin ich ohne Job, wenn ich mich nicht hinter der Berufsrolle verstecken kann? Und dann habe ich sie gefragt: „Was hättest du denn gebraucht zum Abitur?“ Dann sagte sie: „Naja, ich hätte einfach Menschen gebraucht oder jemanden gebraucht, der sich mit mir auseinandersetzt, der schaut, was ich für Stärken habe, woran ich Freude habe, wie die Wege gehen sollen.“ Und sie hat sehr geschimpft über die klassische Berufsberatung, dass das nichts gebracht hat. Es war wie ein Einfahren in meinen Körper, weil mir als Jugendliche es damals genauso ging. Ich dachte, das ist es! Das braucht diesen Raum im Einzel und in Workshops, dass einfach junge Menschen sich erfahren können, auch mit ihren Stärken und eine Perspektive sich aber selber erarbeiten, nicht per Persönlichkeitstest vorgesetzt zu bekommen. Das war der Moment. Und ich muss dazu sagen, dass wir uns da noch viel unterhalten haben während des Urlaubs.
Und wenn ich heute noch Fragen habe, wie man denn etwas angehen bezüglich der Workshops, dann frage ich sie immer noch.

Also auch ein sehr nachhaltiger Kontakt, also ähnlich wie bei dir dann quasi in der Nachsorge von deinen Workshops und von der Betreuung. Das ist ja auch wunderschön, wenn du da auch weiteren Kontakt hast und auch ihren Lebensweg jetzt beobachten kannst. Und einfach schauen kannst, was aus ihr wird. Ich glaube, das macht auch deine Arbeit so besonders. Ich glaube, das kann auch ganz viel zurückgeben. Uns geht es hier tatsächlich ähnlich. Wir haben so tolle schöne Momente mit unseren Ideengeber:innen hier, die die mit einer Vision herkommen und im besten Fall mit dieser Vision dann hier auch rausgehen und in die Welt gehen. Das ist einfach, finde ich, eine super Bereicherung und kann die Welt nur besser machen.
Nun gibt es ja bei Selbständigkeiten ja auch die Schattenseite, die Zweifel, die Ängste, die Sorgen und die großen Herausforderungen. Auch die müssen gesehen werden und sollten auch gesehen werden. Deswegen die ganz offene Frage: Was hattest du für Herausforderungen und wie bist du damit umgegangen?

Also eine große Herausforderung war definitiv, dass ich die Zeit ein bisschen unterschätzt habe oder mich überschätzt, je nachdem, wie man es sehen will. Ich habe den Existenzgründerzuschuss beantragt beim Arbeitsamt und habe diesen Zeitplan mit Abgabe des Businessplans viel zu kurz eingeschätzt. Von daher hatte ich einen extremen Zeitdruck, was die lieben Berater:innen von Social Impact ein bisschen herausgefordert haben, aber was sie mega gut gemeistert haben. Ich glaube, ohne diese Begleitung hätte ich es nicht geschafft. Rückblickend muss ich sagen, wäre es für mich viel besser gewesen, mehr Vorbereitungszeit zu haben. Und diese fehlende Vorbereitungszeit durch das schnelle Gründen habe ich dann quasi in der Selbständigkeit im letzten Jahr gehabt, wo ich dann wie in ein Loch gefallen bin. Am Anfang ist man noch so sehr euphorisiert und wenn es nicht so läuft, wenn z.B. die Workshops nicht so schnell voll werden, wie ich mir das gewünscht habe, dann hatte ich dann durchaus auch schon Momente, wo ich gezweifelt habe.

Was hast du dann getan? Was ist dein „Geheimrezept gegen Zweifel“?
Ich habe auf jeden Fall mich immer wieder mit Menschen ausgetauscht, also entweder Gründenden oder am besten noch sowas wie Mentor:innen oder Coaches. Also, das hat mir sehr geholfen. Was mir sehr hilft mit diesen Fragen „Wie geht es weiter?“ etc. umzugehen, ist, die an jemanden zu stellen und die nicht unbedingt von demjenigen beantwortet zu bekommen, aber im Austausch eine Lösung zu bekommen. Das andere ist, das habe ich schon vorher gelernt, diesen Zweifeln nicht zu glauben. Also, es mag ja sein, dass die da sind und die haben sicherlich auch immer eine Berechtigung, und trotzdem jeden Tag einen kleinen Schritt für diese Selbständigkeit zu machen und darüber dann auch zu erfahren, dass es ja doch läuft. Ich habe gedacht, wenn ich mit jungen Frauen arbeite, ist es irgendwie auch gut mit Eltern zu arbeiten, weil das einfach Sinn macht. Und ich hatte den ersten Elternabend, den ich im letzten Jahr hatte, und fand den relativ anstrengend. Dann dachte ich, das wird nicht so meine Lieblingsgruppe. Und ich hatte jetzt gerade den zweiten Elternabend und ich bin total beglückt rausgegangen. Das ist, glaube ich, auch einfach so dieses „trotz Widerstände einfach weitermachen“, und irgendwann stellt es sich dann ein.

Das sind auf jeden Fall schon mal sehr gute Tipps und ich denke, jeder Gründer und jede Gründerin können davon profitieren. Wir erleben das hier ja tagtäglich, dass dann auch ab und an mal Zweifel und auch sehr private Themen hochkommen, die vielleicht an der Selbständigkeit auch dranhängen. Da hängen ja manchmal nicht nur Geschichten dran, sondern auch Menschen und Familien.
Gibt es denn eine bestimmte Erfahrung aus deiner Arbeit, die dir sehr viel gibt? Das kann ja Zweifel minimieren, wenn man sich an die positiven Dinge erinnert, wenn man Erfolge feiert, dann kann das jetzt auch Zweifel sehr stark entkräften. Gibt es da etwas, wo du richtig viel draus ziehst?

So insgesamt ziehe ich richtig viel daraus, dass diese Idee von diesem Konzept einfach total stimmt. Es ist so ähnlich wie die Eltern, die am Anfang denken, sie bekommen dann Tipps und Tricks, und die jungen Frauen denken dann, sie bekommen Berufsberatungen, dann ist es ein bisschen Irritation, weil sie keine Berufsberatung bekommen, sondern einen Entfaltungsraum. Und was mich zutiefst erfüllt, ist, dass sie einfach so beglückt und genährt rausgehen und – das allein ist es ja nicht – wirklich für sich eine Perspektive haben.
Z.B. gab es eine Abiturientin: sie war in diesem Workshop und wollte eigentlich Stewardess werden, aber dafür in eine andere Stadt ziehen musste und sich das nicht zugetraut hat. Sie hat einfach so viel Empowerment auch durch ältere junge Frauen bekommen und hat tatsächlich, ich habe jetzt noch mal nachgefragt, die Ausbildung zur Flugbegleiterin angefangen. Und sie zieht dafür tatsächlich auch in andere Stadt. Und das fand ich enorm. Also das heißt, diese Idee geht einfach voll auf und das beglückt mich sehr.

Das kann ich gut nachvollziehen, einfach dieses empowern auch zu können, nicht nur selber zu erleben, sondern eben auch zu geben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie beflügelnd das auch für dich sein kann.

Kommen wir so langsam zum Abschluss. Denken wir mal so ein bisschen in die Zukunft oder stellen wir uns eine bessere Welt vor. Welche Visionen für die Zukunft von jungen Frauen hast du? Was wünschst du dir von den jungen Frauen heutzutage?
Ich stelle fest, dass die junge Generation jetzt – vor allen Dingen die jungen Frauen – viel weiter entwickelt sind als wir oder ich damals. Also sie haben einfach ein unfassbar großes Potenzial. Sie haben ein großes Reflektionsvermögen. Sie haben manchmal wirklich auch einen Weitblick und gleichzeitig haben sie unfassbar viele Unsicherheiten und Zweifel. Das hebelt sich so ein bisschen auf. Und was ich mir wirklich mehr für diese jungen Frauen wünsche, dass sie in ihre Kraft kommen, dass sie in der Lage sind, ihren Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. Das hört sich jetzt ein bisschen pathetisch an, aber ich glaube wirklich, dass gerade in dieser männlich-dominierten Welt die weiblichen Qualitäten, da geht's mir wirklich nur um die Qualitäten, dort einen großen Unterschied machen und dass die jungen Frauen wirklich ihren Beitrag dazu leisten – auch mit diesem Fokus auf Achtsamkeit, was ja häufig vielleicht von der Arbeitswelt kritisiert wird. Aber sie hat einen totalen Wert, wenn man das nicht verteufelt, sondern durchaus sieht, dass es ein Mehrwert sein kann.

Und ich finde, das ist durchaus machbar, dir diesen Wunsch zu erfüllen oder diese Wünsche.
Wie kann man dich denn kontaktieren, wenn man jetzt genau über solche Themen mit dir sprechen möchte, vielleicht deine Wünsche erfüllen möchte? Wie erreicht man dich, wo erreicht man dich, wie kann man mit dir zusammenarbeiten?

Mir ist total wichtig, dass mich keiner kontaktiert, um meinen Wunsch mir zu erfüllen, sondern ich hoffe einfach, dass ich da sehr wirksam sein kann und unterstützen kann. Vorab ist immer ein unverbindliches Erstgespräch möglich. Ich habe eine eigene Website (www.johanneklaeger.de) und ich bin bei Instagram, Facebook und LinkedIn. Und am einfachsten ist es, entweder E-Mail, WhatsApp oder Anrufen – es ist vollkommen wurscht. Wir finden ein Termin. Oder unter Termine auf meiner Website stehen auch immer die aktuellen Workshops, Elternabende und Co.

Sehr schön. Lieben Dank dafür. Dann kommen wir zu der letzten Frage, eine Überraschungsfrage. Nenne mir doch mal eine Zeit zwischen 1 bis 6.
Vier.

Die vier. „Der häufigste Satz, den Gründer:innen sagen, ist…“
Oh Gott, schaffe ich das?

Sehr ehrlich und sehr treffend, wie ich finde. Vielen Dank, liebe Johanne. Es hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht, mich mit dir auszutauschen und ähm ein bisschen Einblick in deine Arbeit zu geben, in deinen Gründungsweg und ich wünsche dir auch alles Gute. Von daher kann ich nur noch sagen, hab einen wundervollen Tag, die Sonne scheint hier draußen. Genieß den Tag.
Vielen Dank, Jennifer. Es war mir eine totale Freude und danke für dieses charmante Gespräch und danke dir.


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Das Projekt Gründungszentrum Enterprise ist ein Projekt der Social Impact gGmbH und wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg und kofinanziert von der Europäischen Union.

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