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Die Kraft von Geschichten - und der Mut, ihnen zu folgen

Dienstag, 19. Mai 2026

Ein Tuten aus meinem Handy ertönt. Dann erklingt Beatrix’ Stimme am anderen Ende der Leitung. „Guten Morgen“, sagt sie erfreut. Als Beatrix mir von dem Moment erzählt, in dem sie sich dazu entschieden hat, sich selbstständig zu machen, klingt ihre Stimme ruhig und entschlossen.

Es war kein lauter Knall oder ein Drang, etwas beweisen zu müssen, sondern vielmehr ein inneres Klarwerden. „Ich war ziemlich aufgeregt“, sagt sie. „Ich wusste ja nicht, ob ich all die Herausforderungen meistern werde oder ob das Ganze überhaupt erfolgreich sein kann.“

Und doch ließ sich etwas in ihr nicht mehr verhandeln.

Ich habe gemerkt: Es gibt eigentlich keine Alternative für mich. Ich möchte meine Themen selbst setzen – und das in meinem eigenen Tempo.“

Beatrix' Reise zwischen "Brotjob" und Herzensprojekt

In den Redaktionen, in denen sie zuvor jahrelang gearbeitet hatte, fühlte sie sich fremdbestimmt. „Die Themen waren oft so aufgesetzt, so unauthentisch. Eine Schlagzeile sollte die nächste jagen – das war nicht mehr das, was ich der Welt erzählen wollte.

Heute erzählt sie andere Geschichten.

Geschichten über Menschen.
Über Alltagsheldinnen und -helden, die ihre ganz eigenen Lebensgeschichten tragen.
Und während sie die Geschichten anderer festhält, entsteht parallel dazu ihre eigene.

Ich finde das großartig“, sagt sie, und ich höre an ihrer Stimme, wie sehr sie dafür brennt. „Ich liebe die Geschichten von anderen. Sie bringen mich zum Nachdenken. Und ich lerne unglaublich viel für mein eigenes Leben daraus.

Diese Neugier begleitet sie schon ihr ganzes Leben.
Früher bin ich manchmal extra in Cafés gegangen, nur um Menschen zu beobachten und mir zu überlegen, wie ihr Lebensweg aussieht.

Dass sich so viele Menschen ihr öffnen und ihr ihre persönlichen Geschichten anvertrauen, ist für sie selbst fast ein bisschen rätselhaft. Sie lacht. „Das wundert mich manchmal selbst.“ Dann wird sie wieder ernst. „Aber ich glaube, ich strahle aus, dass man mir vertrauen kann. Und ich weiß genau, was erzählt werden darf – und was bei mir bleibt und geschützt wird.“ Diese Haltung hat sie über Jahre als Journalistin geprägt.

Und sie wirkt: Menschen öffnen sich und vertrauen ihr.

Dabei sind es oft nicht die spektakulären Geschichten, die sie am meisten faszinieren, sondern die leisen, überraschenden Details. „Ich bin immer wieder erstaunt, was es für Talente gibt – und auch, was für verrückte Hobbys“, erzählt sie. „Man muss dafür gar nicht weit fahren.“ Sie denkt kurz nach. „Ich habe mal über einen Mann geschrieben, der seinen Dachboden komplett ausgebaut hat, um riesige Lenkdrachen selbst zu nähen.

Doch es gibt auch Gespräche, die bleiben.

Eines davon trägt sie bis heute mit sich. „Ich habe einmal eine ältere Dame interviewt“, erzählt sie.
Ihr Mann hatte sie wegen ihrer eigenen Schwester verlassen – und ihr dann sogar das gemeinsame Kind entzogen.“
Eine kurze Pause.
Jahre später wurde diese Schwester schwer krank. Und diese Frau hat sie trotzdem gepflegt.

Was sie daran bewegt, ist nicht das Drama, sondern die Größe. „Das sind für mich die wahren Heldinnen und Helden des Alltags. Und genau solche Menschen mit ihren Geschichten sollten gesehen werden.

Dieses „Gesehenwerden“ zieht sich durch ihre Arbeit. Beatrix beschreibt, wie sich Menschen im Gespräch verändern. „Ich merke oft, wie sie lockerer werden, fröhlicher – weil sie sich gesehen fühlen.“ Durch das Erzählen ergeben sich neue Perspektiven. „Plötzlich sehen sie Dinge, die sie früher als Fehler betrachtet haben, als Wendepunkt. Als etwas, das sie weitergebracht hat.

Dabei ist ihre Wertschätzung immer echt. „Ich bin wirklich begeisterungsfähig“, sagt sie und lacht. „Ich hatte mal eine Bodybuilderin, die permanent hungern musste und Kochbücher gelesen hat, um satt zu werden.
Sie lacht erneut. „Das wäre jetzt ehrlich gesagt nicht mein Weg. Aber ich schätze trotzdem, dass sie diesen für sich gewählt hat.

Vielleicht ist genau das ihr Blick auf die Welt: neugierig, offen und ohne zu urteilen.

Was ihr in der Öffentlichkeit fehlt, sind genau diese erzählungen.

Ich wünsche mir mehr positive Geschichten“, sagt sie. „Und mehr Geschichten von ganz normalen Menschen, die an einem Punkt einfach außergewöhnlich sind.“ Sie nennt sie „Helden des Alltags“ – Menschen, die inspirieren, ohne laut zu sein.
Ich habe mal mit einer Frau gesprochen, die neben ihrem Job noch drei Ehrenämter hatte. Einfach, weil sie es wollte.

Wenn jemand am Ende eines ihrer Porträts den Text schließt, hat Beatrix eine klare Hoffnung: „Es soll Motivation geben. Dieses Gefühl: Wenn die das Schaffen, dann schaffe ich das auch.
Auch schwierige Lebensgeschichten tragen für sie diese Kraft in sich.
Sie erinnert sich an einen früheren Chef, der zu ihr sagte: „Frau Fricke, bei solchen Storys fällt den Leuten beim Lesen das Frühstücksbrötchen aus der Hand.“ Sie lächelt. „Für mich hatten diese Geschichten immer auch eine positive Botschaft – und das Potenzial zu zeigen, was in Menschen alles steckt.

Ganz so leicht ist ihr Weg trotzdem nicht.

Eine der größten Herausforderungen liegt ausgerechnet dort, wo heute vieles entschieden wird: in den sozialen Medien. „Vor der Kamera zu stehen, finde ich superschwierig“, gibt sie offen zu. „Ich komme aus dem Printbereich. Für mich ist es viel einfacher, Menschen anzurufen oder ihnen persönlich zu begegnen.“ Sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, fühlt sich für sie oft ungewohnt an. „Aber vielleicht bin ich auch einfach zu kritisch mit mir selbst.

Und trotzdem geht sie ihren Weg weiter.

Wenn sie in ein paar Jahren zurückblickt, weiß sie schon jetzt, wie sie diese Zeit beschreiben wird: „Als einen Schritt, der mich glücklich macht.“ Einen Schritt, der Türen öffnet – manchmal auch unerwartet. „Ich empfinde es als echtes Privileg, dass Menschen mir ihre Geschichten anvertrauen.

Und vielleicht ist genau das der Kern von allem: dass aus Begegnungen etwas entsteht, das über das einzelne Gespräch hinausreicht. „Wenn ich andere mit meinen Portraits inspirieren kann“, sagt sie, „dann ist mein Ziel erreicht.

Dass sie dabei nicht alles auf eine Karte setzt, ist ihr wichtig. Ihr liebevoll betitelter „Brotjob“ als PR-Managerin einer Stiftung bleibt ein fester und wichtiger Bestandteil ihres Lebens – und dafür entscheidet sie sich jeden Tag ganz bewusst. „Der macht mir genauso Spaß und ist mir genauso wichtig“, sagt sie.
Es ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.

Vielleicht passt genau das zu ihr:
Geschichten Raum geben, ohne selbst alles überstrahlen zu wollen – und Schritt für Schritt etwas Eigenes aufbauen, in ihrem eigenen Tempo und mit ihrer ganz eigenen Perspektive auf die Welt.

Wenn ihr mehr über Beatrix und ihre Arbeit erfahren wollt, besucht gerne ihre Webseite unter https://lebensreisen.eu/

© 2026 R. Bittner, Gründungszentrum Enterprise

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