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Teaserbild für Blogartikel 'Impact to Go' mit Karins Börner, Co-Projektleiterin des Gründungszentrum Enterprise, auf grünem Hintergrund mit Kaffeeflecken und Audio-Wellenform

Soziales Unternehmertum als Zukunft – wie wir den gesellschaftlichen Wandel begleiten

Dienstag, 19. August 2025

Coffee-Date mit... Karina Börner! Wir sprechen über die Brandenburger Gründungsszene und was soziale Gründungen besser machen.

Willkommen zu „Impact to go - Dein Coffee-Date mit…“!
Hier im Gründungszentrum Enterprise geht es mehr als nur um Ideen - es geht um echte Veränderungen. In dieser Reihe bekommst du spannende Einblicke in Gründungsstories, jede Menge Inspiration und wertvolles Wissen, dass dir bei deiner eigenen Gründung hilft. Denn nur mit Impact können wir die Welt verändern und du bist ein wichtiger Teil davon. Also schnapp deinen Kaffee, lehn dich zurück und lass dich von echten Gründe:rinnen inspirieren.

Willkommen zu der Folge #6 der Interviewserie vom Gründungszentrum Enterprise. Heute habe ich Karina Börner bei mir zu Gast. Wer bei uns im Gründungszentrum Enterprise ankommt, begegnet Karina vielleicht nicht gleich im ersten Workshop oder Beratungsgespräch, aber ganz sicher hinter den Kulissen. Als Co-Projektleiterin bzw. Projektmanagerin hält sie alles zusammen. Sie sorgt dafür, dass unser Team funktioniert, dass Fördermittel fließen und dass Ideen dort ankommen, wo sie gebraucht werden, z.B. bei dir. Karina vernetzt, koordiniert, denkt strategisch und – das kann ich wirklich vom tiefsten Herzen sagen – sie handelt mit absolutem Herz. Sie ist das Bindeglied zwischen Förderinstitutionen und unserem Beratungsalltag und ist dabei immer ansprechbar, klar und herzlich.

Hallo Karina, ich freue mich sehr, dass du heute bei mir bist und wir so ein bisschen über deine Arbeit im Gründungszentrum hier einfach mal quatschen können. Du sagst selber auf unserer Website: „Kein Arbeitstag ist wieder andere.“ Was macht deinen Alltag hier im Projekt Enterprise so besonders?

Vielen Dank, erstmal für die Vorschusslorbeeren. Ich glaube, das hat so für mich zwei Aspekte, warum mir das besonders viel Spaß macht und was es auch so besonders macht.
Das eine ist, dass wir fast jeden Tag hier Menschen begrüßen dürfen, die mit einer einzigartigen Idee, einzigartigen Persönlichkeit bei uns ankommen mit einer Motivation oder Vision, die den Alltag bei Enterprise so sehr lebendig macht. Mal geht es um die Konzeption eines Bildungsprojektes, mal um nachhaltige Landwirtschaft, mal um Techinnovation, wie zuletzt im Artikel von Brandaktuell (Hinweis der Redaktion: Es ging um das Brandenburger Start-up SensitHaptics von unserem Gründer Benjamin Heese). Also bringt jeder Tag hier auch neue Perspektiven und Herausforderungen mit sich.
Und der zweite Aspekt oder wie so ein ganz normaler Arbeitstag bei mir aussieht: das teilt sich auf in das Konzipieren von spannenden Events für unsere Gründenden. Es gibt Absprachen mit meinem feinen, kleinen Team. Es gibt Gespräche mit unseren Netzwerkpartner:innen im ganzen Land Brandenburg und ganz „nebenbei“ will ja auch noch die Bürokratie im Zusammenhang mit unserer EU-Förderung erledigt werden, sodass man eigentlich zusammenfassen kann: zwischen Mails, Meetings und Menschen pendle ich zwischen Büro, Homeoffice und ganz vielen schönen Orten im Land Brandenburg.

Ganz viele M-Begriffe: Menschen, Meetings, Mails… Ich glaube, da kommt ganz viel zusammen bei dir. Welche Rolle spielt denn dann gerade, weil es um Menschen geht, auch die Offenheit? Auch im Umgang mit den Ideen von unseren Gründenden, aber vielleicht auch in unserem Team? Das sind ja zwei Aspekte, die wir hier vereinen: zum Teil ja die Arbeit mit uns als Team, das muss funktionieren. Aber eben auch die Arbeit mit den Gründenden, da braucht man ja doch schon eine Offenheit. Wie ist das so in deinem Alltag? Was würdest du dazu sagen?

Das könnte ich in einem Satz beantworten. Das ist nämlich die Grundlage unserer Arbeit. Wir brauchen diese Offenheit, denn die vielen Ideen, die zu uns kommen, passen ganz oft nicht in klassische Wirtschaftsförderstrukturen. Also, wir brauchen sie und das ist auch unsere Stärke. Ich glaube, da kann ich für uns alle sprechen, wenn ich sage, wir begegnen jeder Gründungsidee erstmal mit Neugier, statt mit Skepsis. Wir haben offene Ohren, wir kritisieren, aber mit hilfreichen Ratschlägen und das macht uns, glaube ich, aus. Und zum Glück haben wir die Möglichkeit hier, die Gründenden wirklich ganz passgenau beraten zu können. Je nach individuellem Bedarf, nach individuellen Möglichkeiten passen wir ein Programm der Unterstützung an bis zum Tag Ihrer Gründung.
Und der zweite Teil war ja die Offenheit im Team. Auch das ist genauso wichtig, denn – wie in einem (kleineren) Unternehmen – hat jeder spezifische Fähigkeiten, unterschiedliche Perspektiven, unterschiedliche Ideen und die versuchen wir wirklich jeden Tag miteinander zu diskutieren, wertschätzend miteinander umzugehen, aber auch kritisch miteinander, um halt auch zu wachsen und voneinander zu lernen.

Also Wachstum ist das Zauberwort für die Offenheit, die wir hier leben können. Und aus eigener Überzeugung und auch aus meinem Arbeitsalltag hier in der Öffentlichkeitsarbeit merke ich das ja jeden Tag, wie offen wir auch an die Menschen einfach rangehen. Bei jedem Event muss natürlich eine Offenheit entstehen, sonst sind diese kleinen Samen ja auch ganz schnell wieder weg, diese kleinen Ideen und die großen Visionen.
Und du begleitest jetzt schon seit einigen Jahren tatsächlich Gründungsinteressierte genau mit diesen sozialen, ökologischen und innovativen Ideen, die sie mit sich bringen. Was würdest du denn sagen: Wie hat sich aus deiner Sicht die Gründungsszene auch in Brandenburg verändert?

Als gemeinnützige GmbH „Social Impact“ begleiten wir schon seit 1999 mittlerweile im Land Brandenburg Gründende. Bis 2022 waren das junge Menschen, auch unterstützt zum Teil durch das Bildungsministerium, später vom Wirtschaftsministerium. Und seit Ende 2022 dürfen wir ja die Impact-Gründenden unterstützen. Ich selbst bin seit 2016 mittlerweile bei Social Impact. Also ich konnte persönlich, aber auch schon seit 1999 konnten wir sehr viele Gründende und Unternehmer:innen begleiten.

Und ich würde sagen, die Szene ist diverser geworden, sie ist bunter geworden. Wir haben ein unglaublich tolles Gründungsökosystem in Brandenburg mit ganz vielen tollen Unternehmer:innen, mit vielen Gründungsunterstützer:innen und dadurch hat man viele Perspektiven, viele Lebenswege. Und ich sehe auch, dass es mehr Mut gibt zur eigenen Geschichte, also dass man auf seine eigene Biografie aufbauend, auf seine eigenen Beobachtungen aufbauend Ideen und Visionen entwickelt, wie die Szene in Brandenburg einfach bunter werden kann. Und am Anfang gab es noch ganz viele Notgründende bei uns in der Gründungsberatung tatsächlich aus der Arbeitslosigkeit heraus und wir haben dann beobachtet, dass die Wunschgründungen aber schon seit vielen Jahren zunehmen.
Das bedeutet: Es gibt den Wunsch nach beruflicher Veränderung, es gibt den Wunsch bzw. die Unzufriedenheit mit dem eigenen Chef und dass man denkt, man kann das eigentlich besser oder man kann es anders machen. Und ganz oft löst auch der Wunsch nach privaten Veränderungen die Gründungsidee aus, z.B. nach der Elternzeit oder nach Pflegezeit. Also, dass man dann sagt, mein momentaner Beruf passt eigentlich nicht mehr zu meiner aktuellen Anstellung. Und mit dieser Motivation hat sich dann auch, finde ich, in den letzten Jahren herauskristallisiert, dass soziale und ökologische Themen mehr in den Vordergrund rücken. Das hat sicher auch was zu tun mit den gesellschaftlichen Herausforderungen, die wir haben im Land Brandenburg. Das bedeutet nicht, dass klassische Gründungen im Handwerk oder in der Gastronomie weniger relevant sind, aber wir hier im Gründungszentrum sehen halt, dass die Gründenden bewusster ihren Weg der Selbstverwirklichung verbinden mit der Möglichkeit aktiv auch die Gesellschaft verändern zu wollen. Also entweder Gesellschaft oder auch ihren ländlichen Umkreis.

Also kann man zusammenfassend sagen, es wird tatsächlich privater – gar nicht so sehr privater, sondern persönlicher, sowohl in der Vielfalt als auch in den Themen. Aber eben auch in der Offenheit (wo wir wieder bei der Offenheit wären), mit den eigenen Ressourcen, mit den eigenen Wünschen… damit einfach offener umzugehen und nach draußen zu gehen.
Also die Motivation hat sich hierhingehend ganz stark verändert: Eben was bewegen zu wollen und nicht zu müssen. Und ja, wir sehen ja auch tatsächlich, die Zukunft muss tragfähiger werden durch solche Gründungen. Haben sich denn sonst noch andere Themen insgesamt verlagert? Gibt es Themenbereiche, die jetzt vielleicht stärker in der Gründung entstehen, als es vielleicht vor 10 Jahren waren?

Ich würde sagen, die Gründung muss nicht nur tragfähig werden, sondern die Zukunft der Wirtschaft muss oder wird ressourcenschonend. Sie muss klimafreundlich werden. Sie muss regenerativ werden. Es geht nicht mehr nur noch um höher, schneller, weiter, sondern immer mehr Menschen und Unternehmen erkennen meines Erachtens, dass Wirtschaft auch eine gesellschaftliche Verantwortung hat. Wir können nicht immer nur darauf schauen, dass der Staat alles für uns erledigt, sondern die Zukunft gehört einfach denen oder hoffentlich den Unternehmen, die Werte schaffen, die für viele gültig sind.
Und meines Erachtens zeigt das auch diese Diskussion um die Generation Z. ganz deutlich: Die jungen Leute wollen nicht nur einfach Jobs haben, sondern sie wollen eine sinnstiftende Arbeit haben und dann machen sie ihren Job auch gut und ausführlich und das ist einfach die große Motivation unserer Zeit.
Und dann würde ich noch sagen, dass die Motivation unserer Gründungsinteressierten hier ganz oft wertgetrieben ist, denn sie wollen einfach bewusst etwas zum Positiven verändern. Das geht oft damit einher, dass man eine gesellschaftliche Herausforderung erkannt hat in seinem Umfeld – national oder auch international. Daraus ergibt sich dann unabhängig von der Rechtsform, dass Themen an Bedeutung gewinnen, wie psychische Gesundheit, wie Gesundheitsvorsorge im ländlichen Raum, wie Teilhabe am Arbeitsmarkt oder Integrationsthemen allgemein. Oder auch Kreislaufwirtschaft ist ja ein ganz großes Thema. Und ich glaube, da haben wir einfach noch viel Nachholbedarf.

Neben dem Wunsch nach Selbstbestimmtheit ist das, glaube ich, ein starker Motor einfach und eine starke Motivation. Was zum Teil manche Gründungsinteressierte begrenzt, ist nicht der Wille der Gründung oder die Idee, sondern schlicht die Zeit. Also, das haben wir festgestellt hier in unserer Arbeit, dass Care-Arbeit, Erwerbsarbeit oder auch einfach der Alltag oft wenig Raum lassen, sich mit voller Kraft auf die Gründung einzulassen. Aber genau dieses Commitment brauchen wir eigentlich, genauso wie Mut und viel Energie in der Gründungsphase, um eine Idee wirklich voranzubringen. Und dann unterstützen wir das auch unglaublich gerne.

Tatsächlich ja auch gesellschaftliche Entwicklungen, die dann mit einhergehen. Denn der Umbruch von Care-Arbeit das ist, glaube ich, ein ganz großes Thema auch in der Vereinbarkeit. Wir haben ja auch die Vereinbarkeits-Expertin Nancy Meckert hier auch in einer Folge, da geht das genau darum, was das vielleicht auch in der Gründung ausmacht.
Und gibt es denn ansonsten gesellschaftliche Entwicklungen, die du aktuell besonders beobachtest und und interessant findest, die besonders sind – gerade auch genau auf die Gründungsideen bezogen?

Ich weiß nicht, ob ich sie interessant finden soll oder beängstigend. Ich glaube, wir haben multiple Krisen, die viel mit uns auch machen. Also, da redet man vom Klima, von der sozialen Ungleichheit in Verbindung mit politischer Radikalisierung. Wir haben die Krise durch die Bildungsungerechtigkeit. Wir haben viele Herausforderungen durch die Digitalisierung und wie sich unsere Gesellschaft anpassen kann. Also, ich glaube, diese ganz vielen gesellschaftlichen Entwicklungen fordern uns gerade täglich neu heraus, dafür auch neue Lösungen zu denken. Für manche Menschen ist es vielleicht auch ein Stück weit überfordernd, aber wir erleben hier einfach viele Menschen, die jetzt aktiv werden wollen und nicht mehr nur zuschauen wollen, die unternehmerisch und auch im privaten Umfeld aktiv werden wollen.
Dieser Begriff „Social Entrepreneurship“ oder auch „Impact Entrepreneurship“ ist ja noch nicht so sehr etabliert, aber ich finde immer das Denken dahinter, dass nämlich die Wirtschaft als Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel genutzt werden kann, unglaublich spannend. Und das so in den nächsten Jahren auch noch zu beobachten, wie das hoffentlich von einer kleinen Gruppe an Unternehmer:innen zum Mainstream wird, finde ich unglaublich spannend, dass wir das begleiten dürfen.

Tatsächlich kommt das ja auch in großen Konzern mittlerweile an, dass man ja ein bisschen mehr „Impact“ haben darf, was natürlich auch Gefahren birgt in Richtung Green-Washing, „meinen die es wirklich ernst?“ Ist das jetzt nur um mal die Kundschaft ruhig zu stimmen, damit der CO2-Fußabdruck möglichst klein wird?
Du hast es ja schon so ein bisschen erwähnt: Aber warum ist jetzt gerade jetzt die Zeit für soziales Unternehmertum oder Social Entrepreneurship, Impact Entrepreneurship, dafür gibt's ja viele Namen, die meinen ja eben alle dasselbe. Warum ist es jetzt so wichtig, unabhängig von vielleicht Kriegen und Krisen?

Vielleicht gehe ich noch mal einen Schritt zurück und sage, was soziale Innovationen für mich sind. Und zwar lösen für mich soziale Innovation konkrete gesellschaftliche Herausforderungen. Da geht es um bessere Gesundheitsvorsorge auf dem Land, über neue Wege der Zusammenarbeit bis zum nachhaltigen Mobilfunk. Wir reden hier von innovativer Reinigung von Schmutzwasser über Konzepte für bessere Bildung bis zur Vermeidung von Müll durch Unverpackt-Läden. Die Zeit ist einfach reif für Impact-Unternehmen. Sie müssen in den Mainstream ankommen, denn sie schaffen Räume, in denen Innovation – auch technische Innovation oder soziale Innovation – kein Widerspruch ist zum Gemeinwohl.
Also es ist keine Bereicherung ganz weniger einzelner Menschen, sondern das Ziel ist Kooperation zu schaffen statt Konkurrenz; einer großen Menge an Menschen einfach etwas zu ermöglichen. Und das finde ich so spannend und wir hatten ja vorhin schon darüber gesprochen, in diesen Zeiten der Unsicherheit braucht es Modelle, die zeigen, Wirtschaft kann nachhaltig sein, Wirtschaft kann solidarisch sein, kann zukunftsfähig sein. Und jetzt erst recht heißt, wir dürfen den Wandel nicht nur fordern, sondern wir müssen ihn mitgestalten. Und da sind unsere Gründenden, unsere Gründungsinteressierten tatsächlich dann in erster Reihe dabei und dann wird hoffentlich aus einem konventionellen Landwirtschaftsbetrieb vielleicht eine solidarische Landwirtschaft, wo ganz viele Menschen mitbestimmen und auch der Bauer ausreichend Geld bekommt für seine Arbeit. Oder aus einer klassischen Altenpflege wird eine gemeinsame Aufgabe für alle Generationen. Oder aus einem Handwerksbetrieb wird eine Genossenschaft oder eine Stiftung, die auch in Zukunft schafft, den gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten und nicht an den Meistbietenden verkauft zu werden. Und ich glaube, deshalb sind wir jetzt genau in der richtigen Zeit, das gemeinsam umzusetzen.

Du hast das Wort Konkurrenz gerade auch in den Mund genommen. Das finde ich gerade in dem Zusammenhang auch ganz wichtig: Mittlerweile kann ja soziales Denken in einem Unternehmen, sei das jetzt ein Einzelunternehmen oder ein riesengroßer Konzern, kann das ja auch ein Wettbewerbsvorteil werden oder sogar schon sein. Also mittlerweile fordern ja auch schon – und das ist in Studien belegt – auch die Kundschaft viel mehr Transparenz in der Produktion, in den Lieferketten (Lieferkettengesetz ist da so ein so ein Thema). Auch überhaupt in der Mitarbeiterführung, also da fragen auf einmal die Kund:innen nach Themen, die vielleicht vor 10 Jahren gar nicht so interessant waren, aber jetzt so wichtig sind.
Also, du würdest schon sagen, dass das nicht nur ein Trend ist, sondern durchaus ein Gegenentwurf zu dem konventionellen sehr klassischen Wirtschaften?

Das muss ich jetzt sagen, dass das der notwendige Gegenentwurf ist! Also das ist ja das, was uns hier antreibt. Impact Entrepreneurship hat das Potenzial und wird hoffentlich der neue Normalfall werden, also vom Gegenentwurf zum Normalfall… Denn wir wollen einfach, dass soziale und ökologische Kriterien zum Standard werden, dass es mehr Kooperation gibt, wie du sagst, dass es mehr Transparenz gibt, dass Wirkung, die ein Unternehmen erzielt, auch ein USP sein kann, der bei den Kunden gut ankommt. Und deshalb glaube ich, dass diese die Kriterien zum Standard werden und das Social Entrepreneurship nicht nur im Kleinen gefördert werden muss, sondern dann auch strukturell verankert. Und ich glaube, niemand negiert mehr, dass z.B. Car-Sharing oder Mikrofinanzierung, Integrationsbetriebe, der Handel mit Fairtrade-Produkten, dass die mehr sind als ein Trend, die sind ja wirklich mittlerweile zum Mainstream geworden, zum Normalfall in unserer Wirtschaft.

Und ich glaube, wir können noch mehr, denn viele soziale Innovationen, die heute schon selbstverständlich sind, wurden damals gegen Widerstände erprobt. Und ich kann sagen, dass Social Impact bzw. IQ Consult, die Ende der 90er in Berlin gegründet wurden, dass sie auch immer ein Motor waren für soziale Innovationen, dass wir auch als Unternehmen da quasi mitarbeiten.

Was für eine schöne Überleitung, denn wir im Gründungszentrum hier sind ja ein Teil von Social Impact. Wir setzen uns ja hier in Brandenburg für genau solche Themen ein. Was würdest du denn sagen, welche Rolle haben wir hier als Gründungszentrum Enterprise in dem ganzen Gründungsökosystem in Brandenburg? Was unterscheidet uns vielleicht auch von den klassischen Beratungsstellen, die es eben gibt und die sich vielleicht auch an andere gründende Zielgruppen richten?

Also, wir sind besonders, weil wir eine besondere Zielgruppe haben. Und wir sind meines Erachtens besonders, weil wir die Gründung halt ganzheitlich angehen. Wir sind wirklich von der ersten Idee über die Erstellung des Businessplans bis zum Tag der Gründung für unsere Teilnehmenden da. Und wir sehen das als sowohl persönlichen als auch gesellschaftlichen Prozess. Und arbeiten mit denen auch an ihrer Rolle im Team, an ihrer Haltung, an ihrer Wirkungsbeschreibung. Es gibt sowohl einen klassischen Business-Teil sozusagen, wo unternehmerische Kompetenzen erstellt werden, aber auch diesen großen Teil der persönlichen Weiterentwicklung. Und das macht uns, glaube ich, so besonders.

Im Gründungsökosystem des Landes Brandenburg sind wir eines von drei überregionalen Projekten, die finanziert werden durch das Land Brandenburg und den ESF. Also, wir werden vom Wirtschaftsministerium unterstützt bei dem, was wir tun, und können deshalb unsere Leistung auch komplett kostenfrei anbieten.
Und freuen uns einfach, dass wir in diesen knapp 3 Jahren, die wir jetzt aktiv sind in dieser spezifischen Gründungsberatung, wirklich auch schon vielen Unternehmen helfen konnten bei der Gründung, dass wir auch ein Ökosystem geschaffen haben im Land Brandenburg, was schon da war natürlich, aber was wir jetzt durch die Aktivitäten im Bereich der Gründungsberatung auch weiter mit aufbauen konnten und vernetzen konnten, auch mit unserem Partner, dem Kompetenzzentrum für soziales Unternehmertum, da einfach viel Bewegung in den Prozess reingebracht haben.

Also wir sind schon eine Instanz und wir sind ja gefühlt auch bei jedem Event dabei. Jedenfalls kommt mir das so vor. 😊

Das heißt, wir wollen ja auch sensibilisieren für das Thema an sich und das liegt uns ja allgemein am Herzen. Aber da, wo Ideen sind, gibt es ja häufig dann auch mal Grenzen. Auch wenn man die nicht hören möchte, aber die gibt es. Was bekommst du denn so in deinem Alltag mit? Wo stoßen unsere Gründenden tatsächlich an Grenzen? Und wenn da welche sind, sind das dann eher politische, strukturelle, gesellschaftliche Grenzen? Vielleicht hast du Ideen, wie man die auch lösen kann.

Es gibt natürlich leider immer ein paar Herausforderungen, denen sich Unternehmer:innen da stellen müssen. Ich glaube, eine ganz große Grenze oder eine große Herausforderung in unserem Alltag ist oft oder auch aus den Beratungen nehmen wir mit, dass es die Finanzierung der Angebote und Dienstleistung ist. Weil soziale Innovation oft nicht in das klassische Förderraster reinpassen. Und für Investor:innen ist es auch nicht wirklich interessant, weil die Rendite nicht im Vordergrund steht, sondern die Maximierung von Wirkung. Die Kund:innen sind oft noch nicht bereit, nicht das billigste Produkt zu kaufen, sondern gegebenenfalls ein etwas höherpreisiges. Insofern ist ganz oft dieses Konglomerat aus Förderungen, aus verschiedenen Finanzierungsquellen und den Einnahmen die Herausforderung – auch für uns in der Gründungsplanung, das so entsprechend zu planen, dass trotzdem eine stabile Basis, auch eine finanzielle Basis einfach geschaffen werden kann.

Politisch braucht es, glaube ich, einfach noch mehr mutige Programme, die Wirkung vor Profit denken. Aber ich sehe auch, dass es da auch in der Politik eine Veränderung gibt. Es wurde 2023 z.B. eine nationale Strategie für soziale Innovation und gemeinwohlorientierte Unternehmen herausgebracht, die erstmals die Gleichstellung von sozialen und technologischen Innovationen in den Vordergrund stellt. Und das war ganz wichtig, um Förderprogramme dahingehend anzupassen.
Eine weitere gute Möglichkeit wäre, die öffentlichen Vergaben auch anzupassen. Also das ist was, was tatsächlich bei den Impact-Unternehmen ganz unmittelbar ankommen würde, weil die öffentliche Hand gibt unglaublich viel Aufträge heraus und wenn es nicht immer der billigste sein muss, der billigste Anbieter, sondern dass es verknüpft wird mit ökologischen oder sozialen Standards, hätten wir einen ganz großen Hebel, der finanziell und gegebenenfalls auch politisch die Sozialunternehmen unterstützen kann.

Ansonsten strukturell für alle Unternehmer:innen wäre es, glaube ich, unglaublich hilfreich, bürokratisch entlastet zu werden. Also weniger Papierkram, mehr Zugänge auch zu Netzwerken, zu Investor:innen, zu Knowhow. Also das ist das, wo wir, glaube ich, auch gemeinsam einfach noch dran arbeiten können, diese Netzwerke stärker auszubauen. Auch die Netzwerke zwischen Sozialunternehmen und klassischen Unternehmen, damit sie sich gegenseitig inspirieren und innovieren. Das wäre wahrscheinlich auch zum Vorteil für die für die „klassische Wirtschaft“.

Und gesellschaftlich, glaube ich, haben wir alle noch zu tun, mehr Anerkennung einfach rauszugeben für unternehmerisches Engagement mit Haltung, dass wir alle da einfach drauf schauen, wo bekommen wir unsere Dienstleistung her, wo bekommen wir unsere Produkte her, welche Transparenz wünschen wir uns von den Unternehmer:innen und das einfach stärker einzufordern, weil wir damit auch als Gesellschaft ein ganz großen Hebel haben, das besser werden zu lassen.

Also hinterfragen ist da auch ganz wichtig, sich selber als Konsument:in vielleicht auch mal zu hinterfragen: Was konsumiere ich eigentlich den ganzen Tag? Muss es dann vielleicht das Brot vom Bäcker nebenan sein oder muss ich wirklich das günstige Brot beim Supermarkt holen?
Also, es sind ja ganz viele kleine Hebel, die wir allein schon in unserer eigenen Welt setzen können. Und wenn man da halt darüber hinweg noch ein Unternehmen, was vielleicht zwei, drei Mitarbeiter hat, unterstützen kann, was sich genau für eine bessere Welt einsetzt, dann ist es doch Win-Win, also für alle Seiten.
Wo wir beim Win-Win sind: Was war dein schönster Moment in den letzten Monaten? Vielleicht gibt es ein Erlebnis, wo du gedacht hast „oh, dafür mache ich das, dafür gehe ich hier los“.

Ich kann gar nicht sagen, dass es ein Moment ist, sondern dieser Moment kommt, glaube ich, ganz oft. Nämlich immer dann, wenn man sieht, dass eine Gründerin oder ein Gründer nach einer ersten Phase der Selbstzweifel oder man nicht so genau weiß, ist die Idee gut, sollte ich damit jetzt rausgehen? Also nach dieser Phase der Unsicherheit, wenn der Unternehmer oder die Unternehmerin anfängt, von innen heraus zu strahlen, selbstsicher zu werden, merkt, dass sie nicht alleine ist und dass man auf die Idee aufbauen kann. Das ist der Kern unserer Arbeit. Ich glaube, das sind einfach die Momente, die uns allen im Team so viel Spaß machen. Wie gesagt, von diesem ersten Moment, wo die vielleicht mit Scham zu uns kommen bis zum Tag der Gründung, wo sie sagen: "Ja, ich bin da, ich will das und ich habe ganz große Motivation, das in die Welt zu bringen."

Das sind diese strahlenden Augen, die man dann immer sehen kann. Ich hatte jetzt immer mal wieder Kontakt zu unseren Gründer:innen von uns, die eben schon den Schritt gemacht haben. Das ist immer fabelhaft zu merken, wie stolz die dann auch einfach sind in dem Moment.

Da macht man gerne auch die Arbeit hinter den Kulissen.

Das stimmt. Das macht dann vielleicht den Stress, den man mal vielleicht zwischendurch hat, wieder gut.

Wenn du einen Wunsch frei hättest für eine bessere Zukunft und das vielleicht im Brandenburg, was wäre das für ein Wunsch?

Dass Impact Unternehmertum nicht mehr die Ausnahme ist, sondern eine feste Säule der Wirtschaft. Dass Wirtschaftsförderer das mitdenken, dass Bürgermeister das mitdenken, dass die Politik das einfach mit passenden Strukturen, mit passenden Förderungen und mit passender Sichtbarkeit einfach unterstützt.

Und ein zweiter Wunsch wäre, dass schon die jungen Menschen früh – am besten in der Schule – lernen, es gibt mehr Wege, Gesellschaft und Wirtschaft zu gestalten, als man denkt. Es gibt ja schon ganz viele tolle Initiativen,auch Schülerfirmen zu gründen. Das können auch Unternehmen mit Wirkung sein. Und dass man einfach wirklich schon ganz früh anfängt zu denken, wir brauchen neue Wege der Wirtschaft.

Aus eigener Erfahrung darf das gerne auch in der Unizeit stattfinden, denn da hat man ja noch keine Verpflichtung. Ich hätte mir damals tatsächlich mehr gewünscht, dass das Thema Gründung stärker in den Vordergrund rutscht und einfach präsenter ist. Und wenn man das dann noch sozial machen kann, ich glaube, da gibt's ganz viele Universitäten da draußen, die dem zustimmen würden. Das wäre genial.

Kommen wir jetzt zu dem wichtigsten Part… denn wie kann man dich denn jetzt kontaktieren, wenn man jetzt wirklich Lust hat, mit dir oder auch mit dem Team hier über die eigene Gründungsidee zu reden?

Ihr findet mich oder uns auf LinkedIn, auf Instagram, auf Facebook, auf unserer Webseite per Kontaktbutton, gerne auch per E-Mail oder Telefon. Ihr findet alles auf der Webseite und natürlich auf ganz vielen tollen Veranstaltungen wie den verschiedenen Gründertagen, unseren Sprechtagen im Land Brandenburg, bei den Social Entrepreneurship Days, die es regelmäßig gibt.

Also, viele Wege führen ins Gründungszentrum Enterprise, hier nach Potsdam, wobei wir ja auch gerne mal woanders hinfahren – du hast ja die Sprechtage erwähnt, wir sind also auch im Land Brandenburg unterwegs.

Und jetzt zu meiner aller allerletzten Frage an dich: Was würdest du sagen, was ist der häufigste Satz, den Gründer oder Gründerin sagen?

„Ich habe da mal eine Idee.“

Ganz lieben Dank, liebe Karina, dass ich dich heute hier haben durfte und dass wir noch mal unsere Arbeit auf einer anderen Ebene wahrnehmen durften. Und ich wünsche uns, dir und allen anderen, die da draußen für eine bessere Zukunft losgehen, nur das Beste.
Ich würde sagen: „auf, auf“, meldet euch bei uns und wir rocken mit euch zusammen eine bessere Welt.

Vielen Dank.

Mehr über Karina Börner und das Gründungszentrum Enterprise:


Du hast eine Gründungsidee, aber noch keinen Plan, wo du anfangen sollst?

Willkommen beim Gründungszentrum Enterprise! Wir sind deine erste Anlaufstelle für innovative, soziale und nachhaltige Gründungsvorhaben in Brandenburg. Mit kostenfreier Beratung, spannenden Workshops und einem starken Netzwerk begleiten wir dich auf deinem Weg in die Selbstständigkeit. Wenn du die Welt verbessern möchtest und aktiv die Zukunft gestalten möchtest, wir helfen Dir aus deiner Idee echten Impact zu machen. Meld dich doch bei uns! Besuch dafür unsere Website (www.gruendungszentrum-enterprise.de) und buch dir direkt ein kostenfreies Erstgespräch. Wir freuen uns auf dich und deine Idee!

Das Projekt Gründungszentrum Enterprise ist ein Projekt der Social Impact gGmbH und wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg und kofinanziert von der Europäischen Union.

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