Freitag, 30. Mai 2025
Coffee-Date mit... Gründerin Felicitas Nadwornicek! Wir sprechen über Gründungen im ländlichen Raum und über Gastronomie als sozialer Ankerpunkt.
Willkommen zu „Impact to go - Dein Coffee-Date mit…“!
Hier im Gründungszentrum Enterprise geht es mehr als nur um Ideen - es geht um echte Veränderungen. In dieser Reihe bekommst du spannende Einblicke in Gründungsstories, jede Menge Inspiration und wertvolles Wissen, dass dir bei deiner eigenen Gründung hilft. Denn nur mit Impact können wir die Welt verändern und du bist ein wichtiger Teil davon. Also schnapp deinen Kaffee, lehn dich zurück und lass dich von echten Gründe:rinnen inspirieren.
Heute habe ich die liebe Felicitas bei mir zu Gast und sie sitzt auch schon mit einem Lächeln hier, denn genauso begrüßt sie ihre ganzen Gäste in ihrem schönen wundervollen café apfel. Seit 2024 verwöhnt sie dort nicht nur ihre Gäste mit regionalen Leckereien und hausgemachten Köstlichkeiten, sondern schenkt dem Ort auch ein Stück gelebte Gastfreundlichkeit und Gemeinschaft. Was mit einer Idee begann, ein nachhaltiges Kaffee mit selbstgemachten Spezialitäten aufzubauen, ist längst ein fester Bestandteil der Region hier geworden. Felicitas setzt konsequent auf regionale Produkte, Handarbeit und ein Ambiente, das zum Verweilen einlädt. Ihr Motto: Es geht nicht nur ums Essen, sondern ums Erleben.
Wir sprechen heute über ihren Weg zur Selbständigkeit, den Herausforderungen des Alltags und was ihr Apfelkuchen mit sozialem Unternehmertum zu tun hat.
Hallo Feli, erstmal lieben Dank, dass ich hier in deinem wundervollen Café draußen sitzen darf. Vielleicht hört man die Vögelchen zwitschern. Magst du dich vielleicht einmal kurz vorstellen und ein paar Worte an unsere Zuhörerinnen und Leserinnen richten?
Dankeschön für die Einladung zu dem Interview, darüber habe ich mich riesig gefreut. Erstmal ein ganz herzliches Willkommen! Ich glaube, es ist total wichtig, und gerade deswegen freue ich mich so über das Interview. Wir haben ja schon davor ein bisschen geredet und du stellst ja auch ganz viele Fragen zum Hintergrund und quasi zu dem, was hinter den Kulissen passiert. Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man darüber viel mehr spricht, was eigentlich so im Backoffice passiert und nicht nur was man wirklich sehen kann. Denn beispielsweise in unserem Fall gehört zu der Selbständigkeit ja viel mehr als am Wochenende im Café stehen und leckeren Kuchen verkaufen. Und ich glaube, das ist wichtig und spannend für viele einfach mitzubekommen, was da hinter den Kulissen auch noch passiert.
Sehr schön, dann würde ich doch direkt mal losstarten. Ich habe es ja schon angekündigt, dein café hat was mit sozialem Unternehmertum zu tun. Gehen wir mal zurück zu der Gründung. Was war da dir bzw. euch wichtig? Ihr habt ja im Team gegründet, waren euch die Zahlen wichtig, waren euch andere Aspekte wichtig?
Genau, uns war es tatsächlich viel wichtiger, was Soziales und Nachhaltiges zu schaffen, als überhaupt ein Café aufzumachen. Also ich persönlich beschäftige mich tatsächlich schon länger mit Lebensmitteln, Ernährung und Kochen und bin schon ganz lange als Köchin unterwegs. Die anderen beiden hatten tatsächlich davor noch gar keine Berührungspunkte dazu. Das heißt, das stand auch gar nicht auf dem Plan von meinen Mitgründerinnen Pauline und Laura, dass sie jetzt ein Café aufmachen wollen, sondern wir haben eher gemerkt, wir haben Lust hier der Region einfach was zurückzugeben und einen Ort für soziales Miteinander zu schaffen, weil es eben gerade in den sehr ländlichen Regionen, wo wir hier unterwegs sind, noch viel zu selten Orte gibt, wo Leute niedrigschwellig zusammenkommen und sich austauschen können.
Und natürlich war uns auch dieser Nachhaltigkeitsgedanke ein großes Anliegen, dass wir eben nicht mit den billigsten Produkten aus dem Supermarkt irgendwelche Kuchen backen, sondern dass wir zum einen auf regionale Produkte setzen und so z. B. unseren Sirup aus der Region bekommen, unseren Tee von den Kräutern, die hier um uns rum wachsen, dass wir da quasi unseren Schwerpunkt drauf legen und dass wir vor allem auch ein Angebot schaffen, dass es hier noch nicht gibt. Und es ist zum einen veganes und zum anderen auch ein glutenfreies Angebot, um einfach allen Menschen zu ermöglichen, leckeren Kuchen zu haben. Deshalb haben wir ein Angebot geschaffen, das sowohl vegan ist, dass auch mal glutenfrei ist, das aber auch ganz traditionell daherkommt, sodass sich quasi jeder bei uns willkommen fühlt.
Und das merkt man definitiv. Das ist ja ein wundervoller Ort. Leider hat das café apfel heute zu, deswegen kann ich keinen Kuchen kosten, aber dennoch ist es ja eine Form von Coffee-Date heute.
Nun hast ja schon erzählt, was du in der Region erreichen wolltest und wie ihr das machen wollt, aber was hat dich euch dazu bewogen, auf dem Land zu gründen und vielleicht warum genau Bad Belzig? Es gibt ja genügend andere Städte auch in Brandenburg.
Also Laura und Pauline wohnen tatsächlich schon ein bisschen länger hier. Sie wohnen auf einem Gemeinschaftshof. Das heißt, für die war das auch einfach sehr nah hier zu gründen. Und ich bin im Coconat schon seit ein paar Jahren als Köchen angestellt und unser Café befindet sich quasi auf dem Hinterhof von diesem Coconat. Also das Coconat ist ein Workation Retreat-Ort. Das heißt, da können Teams ihre Offsites machen. Man kann da selbst zum Arbeiten oder zum Schreiben hinkommen und im Hinterhof gibt's quasi noch einige Gebäude, die darauf gewartet haben, dass man da wieder neues Leben einhaucht.
So hat sich das dann eigentlich ergeben, dass wir das Café, das davor schon mal im Betrieb war, als die Besitzerin aufgehört hat, übernehmen konnten. Das Café war dann für mich eigentlich eher der Auslöser auch in die Region zu ziehen und nicht andersrum.
Ich glaube auf dem Land ist es einfach besonders wichtig, dass solche Orte entstehen. Ich wäre jetzt nicht auf die Idee gekommen, in Berlin ein Kaffee zu gründen, wo es einfach schon ein sehr großes Angebot gibt und man sich vor Cafés gefühlt nicht retten kann und auch für die verschiedenen Ernährungsweisen einfach schon viele Alternativen da sind. Wir haben einfach gemerkt, dass es hier noch fehlt und dass wir hier einen größeren Impact leisten können. Also, wir sehen tatsächlich, dass am Wochenende teilweise alleinstehende Männer hier runterkommen, die ein Dorf weiter wohnen und die sich freuen, dass am Wochenende überhaupt irgendwas stattfindet. Die halt sonst den Sonntag zu Hause sitzen würden. Und so haben sie die Möglichkeit, einfach eine Anlaufstelle zu finden und bei uns zu sein. Ich hatte einfach das Gefühl, hier wird es mehr gebraucht als in der Großstadt.
Und dazu kommt auch, dass es meiner Meinung nach ein bisschen leichter war, hier im ländlichen Raum was zu gründen, was aufzubauen als in der Großstadt, weil einfach eine ganz tolle Community hier in der Region ist, die uns bei der Gründung total unterstützt hat. Das heißt, unser Eingangsschild ist z.B. aus einem Baum, der hier auf dem Gelände gefällt werden musste und so konnten wir den weiterverwenden. Und die Schrift wurde dann in dem COCOLAB eingraviert, das ist ein Makerspace, der hier direkt neben uns ist. Die Theke wurde von einem Freund gebaut aus verschiedenem alten Holz, das wir so in der Region gefunden haben. Und das sind einfach Sachen, die sind vielleicht in der Großstadt nicht so leicht möglich, auf so alternativen Wegen auch zu einer Gründung zu kommen.
Super spannend und durchaus ja lukrativ für alle! Du hast ja jetzt schon ganz ganz viel angesprochen: Treffpunkt für einsame Menschen, vielleicht auch einfach ein schöner Rückzugsort für die Städter oder auch für die beste Freundin, mit der man einen Kaffee trinken möchte. Du hast jetzt gesagt, es gab hier tatsächlich eine Zuarbeit, eine Kooperation mit allen möglichen Mitteln und Menschen.
Wie genau kann man sich das denn in der Gastro vorstellen? Wie kann die Gastronomie ein sozialer Anker werden und wie profitieren vielleicht alle genau voneinander? Ich denke, eine Gastro funktioniert ja auch noch mal anders als vielleicht ein Handwerksbetrieb oder als eine klassische Dienstleistung, wie z. B. ein Friseur. Wie funktioniert das in der Gastro?
Also, ich glaube, vieles kommt damit, wie man quasi die Leute empfängt. Wir haben tatsächlich lange davor überlegt, wollen wir ein rein veganes Café sein oder wollen wir das nicht sein. Meine ganz eigene Vorstellung wäre schon gewesen, dass es vegan ist, einfach weil das die Ernährungsform ist, die ich gerne an Menschen noch mehr heranbringen möchte. Und je mehr wir uns aber mit der Region hier beschäftigt haben, desto mehr haben wir auch gemerkt, dass dieses rein vegane Café eigentlich auch dazu führen würde, dass wir wiederum Menschen ausschließen. Und das ist ja genau das, was wir eben nicht wollen. Also, wir haben immer gesagt, das oberste Ziel quasi ist das Soziale und dann kommt dieses nachhaltige Ziel und dann kommen quasi die ganzen anderen Punkte.
Und somit haben wir uns dann quasi dazu entschieden, dass wir eben ein Angebot für alle schaffen, dass sich alle willkommen fühlen sollen und wir wollen nicht irgendwie dem 70-jährigen Ehepaar, das hier reinkommt, noch erklären, dass sie jetzt ihren Kaffee bei uns nur mit Hafermilch bekommen. Da haben wir einfach gemerkt oder auch den Gesprächen mit Leuten erfahren, dass sie sich an solchen Orten einfach auch nicht willkommen fühlen, auch wenn sie natürlich dann vielleicht was Leckeres finden würden, aber es ist dann einfach eher ein Ausschlusskriterium als was Einladendes. Und so sind wir zu der Entscheidung gekommen, dass wir alle willkommen heißen wollen und quasi nicht diesen Missionieren-Gedanken im Hinterkopf haben. Viele Kuchen sind versehentlich vegan, da schreiben wir es nicht explizit dran, da kann man dann gerne nachfragen. Ansonsten wollen wir den Leuten einfach ja diese leckere Art und Weise nahe bringen. Aber wer sich dann für die nicht vegane Alternative entscheidet, ist absolut genauso fein.
Dann der zweite Punkt, den ich wichtig finde, ist die Einrichtung. Und hier steht sie jetzt leider nicht, weil es im Winter abgebaut wurde, aber hier steht eigentlich eine große lange Tafel, die das Team vom Coconat auch extra hat anfertigen lassen aus dem gleichen Baum, aus dem unser Eingangsschild auch ist. Und diese Einrichtung macht einfach viel aus, weil man z.B. an dem Tisch dann einfach mit unterschiedlichen Leuten zusammensitzt. Das heißt, das ist nicht so dieses „jeder geht anonym an seinen kleinen eigenen Platz und macht das sein Ding und geht danach wieder“, sondern das ganze Ambiente hier lädt einfach sehr dazu ein in den Austausch und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Und so ist es z.B. auch bei uns. Wir haben die Theke ganz hinten im Café und es ist ein Selbstbedienungscafé, einfach weil wir den Leuten alleine unsere Kuchenauswahl zeigen wollen und es da Sinn macht, wenn man sich die auch wirklich anschaut, weil die Kuchenauswahl jedes Wochenende wechselt. Und zum anderen kommen wir da aber eigentlich auch viel besser in Kontakt, als wenn man nur zum Tisch kommt, kurz die Bestellung aufnimmt und wieder geht. So stehen sie halt wirklich vor uns. Während wir den Kaffee zubereiten, können wir ins Gespräch kommen. Wir fragen immer gerne nach, woher die Leute kommen, wie sie jetzt auf unser Café gekommen sind, wie sie von uns erfahren haben, und dadurch ergeben sich einfach total schöne Gespräche. Man hat nicht das Gefühl, da ins anonyme Setting reinzumarschieren, sondern fühlt sich einfach direkt willkommen.
Und so ist es eigentlich im ganzen Coconat-Gelände auch. Wir haben einen kleinen Teich im Hinterhof. Man kann dort zelten, da stehen tolle Apfelbäume herum. Es gibt ganz viele Sitzgelegenheiten. Das heißt, das ganze Gelände lädt einfach dazu ein, zu verweilen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und das ist kein Ort, in dem man schnell rein- und wieder rausgeht.
Und der letzte Punkt, der mir noch einfällt, ist, dass wir nicht nur quasi Café sein wollen, sondern wir hatten letztes Jahr z.B. auch schon ein kleines Konzert hier. Wir wollen dieses Jahr Lesungen anbieten, da sind wir gerade in der Planung, dass wir quasi auch über Kunst und Kultur dann Menschen hier ans Café heranführen und über den reinen Cafébetrieb hinaus auch mehr bieten können. Auch im Coconat finden immer wieder schöne Veranstaltungen statt und auch das ergänzt sich dann super, dass man quasi hier auf dem Konzert im Coconat geht und davor noch einen Kaffee bei uns einnimmt.
Also Kunst, Kultur und Kuchen - dreimal das K, das klingt doch gut. Da sind ganz wichtige Aspekte, genannt worden, die gerade im ländlichen Raum sehr wichtig sind in Anbetracht von Altersdurchschnitt und von Offenheit. Manchmal sind ja dann doch die Älteren auf dem Land vielleicht nicht ganz so offen, was Neues angeht, aber ihr vereint das einfach mit einem Lächeln, mit einem ganz herzlichen Willkommen und einfach mit einem schönen Ambiente und guter Laune. Und ich denke, das braucht auch ein Ort in Brandenburg, egal wo er ist. Also du ermutigst schon dazu, genau solche Orte zu erschaffen, egal wo in Brandenburg sie dann am Ende sind.
Dann wagen wir doch mal einen Rückblick. Ihr habt ja im Team gegründet. Das ist ja auch noch mal eine, ich sag mal, seltenere Geschichte bei uns im Gründungszentrum Enterprise. Wir haben eher die einzelnen Gründer und Gründerinnen. Jetzt ist es wahrscheinlich schwer, das zu trennen – aber du als Gründerin: Was hättest du gerne vor der Gründung dir selbst gesagt mit dem Wissen von heute?
Ja, also ich hätte mir auf jeden Fall gesagt, dass so eine Gründung ein echtes Longterm-Project ist und nichts, was man mal so schnell nebenbei macht, sondern das braucht schon wirklich viel Zeit. Bis heute haben wir quasi nie Perfektion erreicht. Also ich glaube, das ist schwierig danach zu streben, dass wirklich alles komplett perfekt ist. Auch das macht ein Team noch mal schwieriger zu erreichen, weil es natürlich immer am Ende eine Kompromisslösung ist, wenn drei Leute ihre Meinung einbringen. Bis heute lernen wir einfach ständig dazu und integrieren das immer weiter und lassen quasi unsere Ideen bis heute einfließen ins Café. Jetzt haben wir z. B. letztens erst eine kleine Ecke bauen lassen, wo ein Verschenkeregal steht, wo man sich dann Bücher ausleihen kann für die Zeit, wenn man im Café ist oder die danach mitnehmen kann. Das darf einfach nach und nach immer weiter wachsen und musste nicht von Anfang an rundum perfekt sein.
Das klingt auf jeden Fall nach viel Retrospektive. Ich denke, ein Gründungsprozess verändert einen ja auch immer. Man bleibt zwar man selbst, aber man lernt ja, wie du so schön sagst, auch immer wieder neu dazu. Würdest du denn sagen, dass zum einen der Blick auf das Unternehmertum sich geändert hat seit der Gründung? Und würdest du behaupten, dass es dich auch in deinem „Menschsein“ verändert hat?
Also so gravierend vielleicht nicht, aber für mich war wirklich dieser Prozess, das gemeinsam zu erschaffen, schon was mich sehr geprägt hat. Also von Anfang an haben wir quasi einfach über sehr viele Punkte ganz lange gesprochen und uns ausgetauscht und diese Kompromissbereitschaft zu lernen, auch zu lernen loszulassen, zu vertrauen, zu wissen, wenn ich nicht im Café bin und die anderen beiden im Café sind, dann ist es genauso gut drauf zu vertrauen, dass was, wenn es erst später kommt, dann eben erst später kommt, aber dennoch kommt. Das sind alles Prozesse, die glaube ich sehr wichtig für mich waren und für die ich total dankbar war. Auch wenn es manchmal nicht so leicht ist, aber unterm Strich ist es was – ganz unabhängig jetzt von dem Gründungsthema – mich einfach als Mensch sehr weitergebracht hat, diese gemeinschaftliche Erfahrung machen zu dürfen.
Und dazu gehört wahrscheinlich auch, gemeinsam Herausforderungen zu meistern. Gab es denn Momente, wo du bzw. ihr ans Aufhören gedacht habt?
Ans Aufhören haben wir tatsächlich noch gar nicht gedacht, aber gefühlt stehen wir auch irgendwie immer noch am Anfang. Also das steht noch gar nicht zur Debatte, das wieder zu machen, weil wir immer noch das Gefühl haben, jetzt geht's dann erst so richtig los. Das ganze erste Jahr hat sich eigentlich wie ein andauerndes Ausprobieren angefühlt und ein andauernder Lernprozess und jetzt, wo wir quasi im zweiten Jahr offen sind, passiert es das erste Mal, dass sich jetzt diese Routinen einschleichen, dass alles ein bisschen einfacher wird und dass wir das Gefühl haben, jetzt kommen wir dann richtig an dem Punkt an, an dem wir gerne sein wollten.
Es gibt natürlich immer noch viele Herausforderungen für uns. Alles rund um das Finanzielle ist einfach neu für uns. Damit hatten wir vorher nicht so viele Berührungspunkte und auch da lernen wir gerade noch total viel dazu. Aber ich glaube, diese herausforderndste Zeit ist eigentlich jetzt schon geschafft. Das war wirklich tatsächlich die Zeit vor der Gründung. Wir haben uns ziemlich spontan im Dezember entschieden, dass wir im März aufmachen wollen, und haben uns im Dezember aber auch erst kennengelernt. Also ich kannte die anderen beiden noch gar nicht vorab und so hatten wir 3 Monate nicht nur Vorbereitung von Thekenbau bis Lampen Anbringen, sondern mussten uns auch einfach erstmal als Menschen gegenseitig kennenlernen. Und das würde ich sagen, rückblickend war die herausforderndste Zeit für uns.
….Und es scheint ja gut gegangen zu sein, sonst würden wir ja nicht hier sitzen!
Du hast jetzt schon ganz viel dazu gesagt, wie auch in schwierigen Momenten die Motivation dranbleiben kann. Ich glaube, im Team ist es auch noch mal weitaus anders, weil immer jemand da ist, der einen wieder hochzieht. Man kann Herausforderungen gemeinsam durchschreiten. Das ist, denke ich, auch immer gut, weil jede:r eigene Kompetenzen reinbringt. Jetzt blicken wir doch noch mal einmal zurück, bevor wir gleich in die in die Moderne, in die Gegenwart kommen. Worauf bist du denn heute besonders stolz, wenn du dein Café anschaust, wenn du da drin stehst, wenn du mit den Gästen in Kontakt bist?
Ja, tatsächlich erstmal, dass wir überhaupt diesen Ort geschaffen haben. Es war am Anfang immer ganz lustig, wenn Leute gesagt haben: „Warum habt ihr denn nicht die und die Tassen?“ oder „Warum gibt's denn dies und das noch nicht?“ Und wir waren immer so: „Puuh, also wir sind so stolz und froh, dass wir hier überhaupt stehen, Kaffee und Kuchen verkaufen und dieser Ort irgendwie ins Laufen gebracht wurde.“
Also diese ganzen Feinheiten, da konnten wir irgendwie noch gar nicht drandenken. Ich persönlich liebe unsere Theke sehr, weil die einfach auch verdeutlicht, wie schön hier was Gemeinschaftliches entstanden ist. Ein Bekannter von uns hat die sich selbst ausgedacht und für uns zusammen geschreinert mit dem Holz, das wir hier und da gefunden haben, da ist z.B. der alte Schreibtisch von Pauline, glaube ich, mit drin verarbeitet und so weiter. Also das ist einfach ein schönes Bild, zu sehen mit wie wenig Kapital wir was Schönes geschaffen haben. Also uns war es wichtig, dass wir uns nicht für das Café großartig verschulden, sondern dass wir eher auf alternativen Wegen versuchen, das Schönstmöglichste entstehen zu lassen. Einfach durch Gemeinschaft und durch die Kraft der Community.
Wie sieht dann so ein ganz typischer Tag in deinem café apfel so aus? Was habt ihr so für Tagesaufgaben? Was sind vielleicht auch Aufgaben, die jeden Tag anders sind? Wie kann man sich das so in so einem Café, in einem Gastrobetrieb vorstellen?
Der Tag beginnt tatsächlich sehr früh oder eigentlich immer schon vor dem Wochenende. Wir haben ja immer Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr auf. Eigentlich unter der Woche beginnt es schon damit, dass wir überlegen, welchen Kuchen wird's am Wochenende geben. Dann stimmen wir uns ab, überlegen, wer macht das vegane Angebot, wer macht das traditionelle Angebot, wer macht das glutenfreie Angebot, wer macht was Herzhaftes. Wir überlegen nochmal, brauchen wir noch irgendwas an Milch, an Kaffeenachschub, was vielleicht ausgegangen sein könnte? Dann wird eingekauft. Am Tag selbst beginnen unsere Wochenenden tatsächlich sehr früh und erstmal in der Backstube, dann werden die Kuchen produziert und dann wird das ganze Café schön gemacht – uns ist es wichtig, dass wir einfach immer mit der Saison gehen. Das heißt, dass jetzt vielleicht ein bisschen Wildblumen herumstehen, dass wir mit Gänseblümchen dekorieren, dann füllen wir das Wasser auf, dazwischen räumen wir die Spülmaschine ein… also all diese langweiligen, unschönen Hintergrundgaben müssen einfach auch gemacht werden, wie nach dem Café-Betrieb nochmal zu putzen, die Abrechnung zu machen.
Das ist glaube ich vieles, was man nicht sieht und eben vor allem ganz viel Abstimmungsbedarf. Alleine bis wir geklärt haben, „wer macht an welchem Wochenende welche Schicht“ und „wer ist wann da“ und „wer kann dafür welchen Kuchen backen“. Da muss man schon einiges an Zeit einplanen.
Ansonsten, wenn die Gäste da sind, dann ist es einfach ganz unterschiedlich, je nachdem wie viele kommen. Manchmal ist ein bisschen weniger los, dann haben wir selbst Zeit, uns auch mal rauszusetzen, dann können wir mehr Zeit mit den Gästen selbst verbringen und auch mal selbst in Gespräche reingehen. Das letzte Wochenende kam einfach eine Person nach der anderen rein, dann stehen wir einfach nonstop an der Kaffeemaschine und an der Kuchenausgabe und machen die Leute mit unseren selbstgebackenen Kuchen glücklich.
Ich habe tatsächlich ja auch mal an der Gastro gearbeitet und all das, was du aufgezählt hast, waren nicht unbedingt immer so meine Lieblingsaufgaben. Warenverräumung war von uns allen, glaube ich, verhasst. Aber ja, zum Kaffeekochen muss man ja auch geboren sein, habe ich immer so das Gefühl. Gibt es denn in deinem Alltag Aufgaben, die dir so gar nicht gefallen – oder die besonders schön sind? Vielleicht hebst du lieber die vor.
Ja, ich fange mal direkt mit den schönsten Sachen an. Also, da ist tatsächlich diese Freude der Gäste, wenn sie reinkommen. Das ist tatsächlich ganz unterschiedlich, was so an Menschen bei uns hereinkommen. Manche kommen ganz gezielt und sagen dann, sie haben sich von Berlin aus eine Wanderroute rausgesucht, haben das Café gesehen und haben ihre Wanderroute extra so um unser Café herumgelegt. Und dann gibt's aber auch immer die Leute, die gehen wandern, stellen sich darauf ein, dass sie hier nichts finden werden und schon gar keinen Specialty Coffee oder einen veganen Kuchen. Und die stolpern dann rein und machen wirklich große Augen und sind so, „das hätte ich jetzt niemals geglaubt, dass wir das hier finden“. Und das zu sehen ist einfach richtig arg schön, genauso wie ich das immer sehr gerne mag, wenn unsere Stammgäste vorbeikommen. Ich hatte das schon angesprochen, wir haben einige Stammgäste, die alleine ins Café kommen oder die schon ein bisschen älter sind. Und da haben wir einfach sehr das Gefühl, dass sie sich wirklich darauf freuen – die haben richtig nach der Winterpause uns angefragt, wann es denn endlich wieder losgeht und haben sich dann so gefreut beim ersten Wochenende, dass wir wieder da waren und dass sie diese Möglichkeit haben, einfach da einen Kaffee trinken zu gehen am Wochenende, wenn man einfach nicht mehr so mobil ist und jetzt in die nächstgrößere Stadt fahren kann.
Die Sachen, die ich jetzt eher als Pflicht ansehe und die mir nicht so großen Spaß machen, sind eben diese ganzen Sachen rund um Putzen und Organisation, Finanzielles im Hintergrund und tatsächlich auch dieses Wissen, dass es was ist, was immer wiederkehrend ist. Also ich bin vom Typ her ein Mensch, ich mag es auch ganz gerne mal was zu planen und dann ist es vorbei und dann kann man sich da drauf ausruhen. Und das ist eben im Café nicht so, sondern dann müssen wir uns einfach jedes Wochenende immer wieder neu motivieren, dass wir immer wieder aufmachen –an manchen Tagen ist es total leicht und da kommen wir super gerne hier rein, aber es muss halt auch offen haben, auch wenn wir es an dem Wochenende gerade nicht so sehr fühlen und dann gehört schon ein bisschen mehr Motivation dazu, am Wochenende früh aufzustehen, hierherzukommen und dann alles vorzubereiten.
Also, ich kann es gut nachvollziehen, dass man doch gewisse Aufgaben beendet haben möchte, vor allen Dingen, dass Tische reinigen und den Laden mal durchputzen.
Aber allgemein kann man schon sagen, dass die Kund:innen bzw. eure Gäste – wir wollen es gar nicht mal Kund:innen nennen, sondern wirklich eure Gäste – ganz viel zurückgeben, dass die euch wirklich motivieren und einfach bei Laune halten, auch wenn es vielleicht mal ein Tag gibt, wo es vielleicht schwerer ist, wo der Kuchen vielleicht auch mal angebrannt ist und die Spülmaschine kaputt wäre und so weiter. Ich denke, da stimmst du mir definitiv zu, dass eure Gäste doch die besten sind, oder?
Ja, so ist es ganz genau! Eben gerade diese Mischung an Gästen. Das ist auch was, was mich tatsächlich seit meinem Umzug von Berlin nach Bad Belzig sehr beschäftigt hat, dass mir jetzt erst auffällt, wie sehr ich mich einfach in einer Bubble in Berlin bewegt habe und dann doch immer mit sehr gleichdenkenden Menschen in Kontakt war. Und im Café, da merken wir einfach, dass Leute vorbeikommen, die haben dann vielleicht noch nie was Veganes gegessen und machen das dann das erste Mal oder haben noch nie davon gehört, dass man eine Löwenzahnblüte oder ein Gänseblümchen essen kann, dass es gar nicht giftig ist. Und das ist super spannend, solche Erlebnisse zu haben und sich mit so ganz unterschiedlichen Menschen auszutauschen.
Also tatsächlich Offenheit und Wissbegier, sowohl bei euren Gästen als auch bei euch selbst, hat euch tatsächlich bisher im Gründungsweg begleitet. Da kommen wir auch schon so langsam zum Schluss. Was würdest du denn heute jemandem mitgeben, der/die tatsächlich überlegt zu gründen –und vielleicht auch einen Gastrobetrieb?
Ja, also trotz aller Herausforderungen würde ich immer wieder meine Hand dafür ins Feuer legen, wie viel einfacher das ist, das mit Verbündeten zu machen. Ob das dann gleichwertige Geschäftsführer:innen sind, wo man sich die Geschäftsführung teilt, oder ob es einfach von Anfang an die Suche nach einem Team ist von unterstützenden Händen – oder einfach nur ein offenes Kollektiv. Aber ich glaube, das macht ganz viel aus, dass man sowas nicht alleine machen muss und alle Prozesse allein durchdenken muss, sondern dass einfach im Team ganz unterschiedliche Stärken zusammenkommen.
Und ich genieße das so sehr, dass ich mich nicht in jedes Thema selbst einarbeiten muss, sondern jeder einfach seine eigenen Stärken und Fähigkeiten mitbringt. Und wir uns auf diese Stärken konzentrieren können und das, was uns vielleicht schwer fällt, wo wir lange brauchen, was uns viel Energie kostet, dass das vielleicht gerade eine andere im Team dann besonders gut kann und ihr leicht von der Hand geht. Also das ist wirklich ein ganz großes Geschenk und das würde ich auch allen raten.
Dann liebe ich diesen Satz „Einfach machen“. Das war tatsächlich auch bei unserer Gründung ein wichtiges Thema. Wir hätten da auch zwei Jahre erstmal überlegen können, ob das jetzt wirklich das Richtige für uns ist und ob der Ort das Richtige für uns ist und ob wir Drei die Richtigen füreinander sind,. Aber wir haben uns wirklich kurz getroffen, uns angeschaut und gesagt: „Kommt, wir probieren das einfach, wir machen das einfach und dann werden wir schon sehen, wie es dann wird!“. Und das war vielleicht eine besondere Luxusposition auch bei uns, dass wir uns jetzt nicht groß verschulden mussten für das Café. Das würde ich natürlich auch keinem raten. Aber in dem Rahmen, in dem wir es ausprobieren konnten, war es, glaube ich, das Allerbeste, einfach loszulegen und zu schauen, wo uns die Reise hinführt.
Nicht nur in eurem Rahmen, auch bei anderen Gründer und Gründerinnen erleben wir das, das „einfach machen“ tatsächlich doch schwer ist, aber durchaus machbar. Du warst ja bei uns auch Teilnehmerin von unserem Beratungsprogramm, hast dort auch ganz viel Wissen abgreifen können, Netzwerkkontakte bekommen und das konntest du natürlich dann auch wieder ins Team reingeben. Und ich schätze, davon profitiert ihr auch heute noch, mit dieser Unterstützung auf fachlicher Ebene noch mal ganz anders zu gründen.
Wo kann man denn euch jetzt begegnen? Wir reden die ganze Zeit über Kuchen, Kaffee, schönes Ambiente, ein herzliches Willkommen. Doch, wo bekomme ich das? Wo seid ihr? Und vor allen Dingen, wann habt ihr geöffnet?
Ja, genau. Wir sitzen wie gesagt im wunderschönen Innen- oder Hinterhof vom Coconat. Das Coconat befindet sich in Klein-Glien. Das ist wiederum ein wirklich sehr kleines Dorf in Brandenburg in der Nähe von Bad Belzig – oder zwischen Bad Belzig und Wiesenburg. Sowohl nach Wiesenburg als auch nach Bad Belzig fährt der RE7 von Berlin aus. Also eine Direktverbindung und dann geht's mit dem Fahrrad oder mit dem Bus noch zu uns raus nach Klein-Glien.
Wir haben immer am Wochenende offen: immer am Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr, ab und an tatsächlich auch mal am Feiertag. Also da lohnt es sich, uns auf Instagram zu folgen oder auf unserer Website vorbeizuschauen. Da bemühen wir uns tatsächlich wirklich tagesaktuell Bescheid zu geben, wann wir da sind, wenn wir mal am Feiertag da sind.
Sehr schön, dann würde ich erstmal sagen, lieben Dank bis hierhin! Jetzt gibt's noch mal eine Überraschungsfrage für dich. Du darfst mir gerne eine Zahl zwischen 1 bis 6 nennen.
Dann nehme ich gleich die 1.
Die 1 – oh, du ist die erste, die die 1 wählt. Das soll Glück bringen, schätze ich!
Die Frage Nummer eins ist diesmal: Welche Superkraft würdest du dir als Gründerin gerne wünschen?
Das ist eine schwere Frage. Die Superkraft vielleicht Tage verlängern zu können – dann würde ich einfach meinen Morgen ein bisschen strecken, die Kuchen langsamer backen und mir abends nach Feierabend noch ein paar Stunden mehr schenken, um dann noch mal irgendwo hier in so einen schönen Brandenburger See reinspringen zu können und wieder Energie auftanken zu können.
Das war sehr ehrlich und durchaus verständlich! Ich möchte mich ganz herzlich bei dir bedanken. Ich schätze, all unseren lieben Zuhörer:innen (und auch Leser:innen) haben mit Sicherheit ganz viel mitnehmen können. Von daher bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen: Ganz herzlichen Dank für das nette Willkommen hier, für das Lächeln die ganze Zeit mir gegenüber! Und ich wünsche euch alles Gute!
Vielen Dank dir auch noch mal, dass du vorbeigekommen bist, dass ich dir den Ort zeigen konnte und für das Interview.
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Du hast eine Gründungsidee, aber noch keinen Plan, wo du anfangen sollst?
Willkommen beim Gründungszentrum Enterprise! Wir sind deine erste Anlaufstelle für innovative, soziale und nachhaltige Gründungsvorhaben in Brandenburg. Mit kostenfreier Beratung, spannenden Workshops und einem starken Netzwerk begleiten wir dich auf deinem Weg in die Selbstständigkeit. Wenn du die Welt verbessern möchtest und aktiv die Zukunft gestalten möchtest, wir helfen Dir aus deiner Idee echten Impact zu machen. Meld dich doch bei uns! Besuch dafür unsere Website (www.gruendungszentrum-enterprise.de) und buch dir direkt ein kostenfreies Erstgespräch. Wir freuen uns auf dich und deine Idee!
Das Projekt Gründungszentrum Enterprise ist ein Projekt der Social Impact gGmbH und wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg und kofinanziert von der Europäischen Union.
